Kopfschuss


Er geht hin und her. Scheinbar weiss er nicht genau, was er mit uns anfangen soll. Oder er hat sich noch nicht dafür entschieden, mit wem er anfangen soll. Seine Augen wandern von einer Person zur Anderen. Ich sehe mich um und frage mich, wo wir hier eigentlich sind. Wie wir hier hergekommen sind weiss ich nicht mehr. Es fühlt sich an, als sei ich gerade in diesem Augenblick aufgewacht und befinde mich schon mittendrin. Mittendrin stehe ich auch. Um mich herum stehen noch viele andere Menschen. Frauen und Männer mit unterschiedlichem Alter. Keiner gibt auch nur einen Laut von sich. Der Kerl geht weiter hin und her und dabei entdecke ich die Pistole in seiner rechten Hand. Der Raum scheint gross zu sein. Überall stehen Tische und Stühle herum. Entweder traut sich keiner, sich zu bewegen, oder aber, es wurde es verboten, dass wir uns hinsetzen dürfen. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, welche der beiden Optionen zutrifft. Die Stühle und Tische stehen etwas weiter weg von mir, jedoch trau ich mich nicht, mich zu einem davon zu bewegen. Wie erstarrt stehen wir da. Einige haben den Blick auf den Boden gerichtet, die Anderen Blicken dem tollwütigen Hund der hier vor uns auf und ab geht, hinterher und lassen ihn auf keinen Fall aus den Augen. Plötzlich bleibt er stehen, blickt in die Runde und fragt uns: "Und, wie geht es euch so?" Es ist offensichtlich, dass es keinem von uns gut geht. Alle sind ziemlich verängstigt. Und selbst da weiss ich nicht einmal warum. Ich sehe nur ihn, ansonsten keine ähnliche Bedrohung. Dämliche Frage die er uns da stellt.. daher antworte ich, zu meinem Bedauern, etwas unüberlegt und in guter Lautstärke: "Was glaubst du denn?" Sarkasmus im falschen Augenblick. Dies werde ich bestimmt noch bereuen. Er Blickt mich direkt an. Seine Körperhaltung scheint gereizt und agressiv. Er macht ein paar wenige Schritte, so dass er direkt vor mir steht. Sein Blick wandert kurz an meiner Schulter vorbei auf den Boden, als ob er nach einer Antwort auf diese Frechheit suchen würde. Doch es fällt ihm keine ein. Während sein Blick noch auf den Boden gerichtet ist, seh ich aus dem Augenwinkel, wie seine Waffe nach Oben wandert und von unten her auf meinen Kopf gerichtet ist. Bevor ich auch nur reagieren kann, nehme ich noch im Bruchteil einer Sekunde wahr, wie mich einige sehr geschockt ansehen. Im selben Moment höre ich einen lauten Knall und Augenblicklich wird vor meinen Augen alles Schwarz. Kurz nehme ich noch Wahr, wie ich falle, doch den Aufprall auf dem Boden, spüre und bemerke ich nicht mehr. Ich spüre keine Schmerzen, es scheint mehr, als würde ich jeden Moment in einen tiefen Schlaf fallen. Mein Körper kribbelt leicht, so wie wenn ein Arm oder ein Bein kurz eingeschlafen ist. Das Kribbeln wird intensiver und geh in Taubheit über. Ich spüre absolut gar nichts mehr. Das Einzige was ich noch kurz bemerke ist, wie meine Lungen versuchen die nötige Kraft aufzutreiben, um frische Luft einzusaugen. Meine Brust hebt sich noch kurz für nicht mal einen Millimeter. Und tauche ich ab.. ins Nichts...