Täysikuu - Die Kraft des Mondes

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~ Täysikuu ~


Die Hütte (Kevin)
Los konzentriere dich.. Nurnoch dieser eine Stoss, und wenn dieser Erfolgreich ist, hast du das Geld in der Tasche.. Mit ruhiger Hand, führe ich den Queue. Der letzte Schuss. Mein Herz klopft im Takt mit der Musik welche aus den Lautsprechern flüstert. Ich höre meinen Herzschlag immer lauter werden. Ich schiesse. Die weisse Kugel prallt mit der Schwarzen zusammen und befördert diese in richtung Loch. Sie knallt gegen die Kante und rollt zurück in meine Richtung. Panik ergreift meinen Verstand, als mir dämmert, welchen Mist ich gerade gebaut habe. "Ha! Dies ist wohl ein weiterer Sieg für den Champ! Los Kleiner, rück die Kohle raus!" Ein grosser Mann kommt in meine Richtung. Seine dunkelbraunen Augen funkeln mich an. Ich kann jedoch nicht ausmachen, ob es an seinem eben gewonnenen Sieg im Billard, oder an seiner Überlegenheit mir gegenüber liegt. Ich bin ja nicht gerade klein, würde ich mal so behaupten. Doch in anbetracht dessen, wer sich da gerade auf mich zubewegt, fühle ich mich ein bisschen wie ein Hobbit. "Ich.. ähm.. es tut mir leid. Aber leider habe ich kein Geld mehr bei mir", antworte ich mit zittriger Stimme. Seine Miene verfinstert sich. Das Funkeln des Triumphs in seinen Augen erlischt. "Was soll das heissen? Los rück es raus, oder es setzt was!" Protzig baut er sich vor mir auf. Oh Gott.. Ich muss hier sofort weg, sonst werde ich wohl diese Nacht nicht überleben. Schiesst es mir durch den Kopf. Hastig packe ich meine Jacke, lass den Queue fallen und stürme aus der Bar. Wie von der Tarantel gestochen, flüchte ich in die Nacht hinaus. Ein Krachen folgt meinem Fluchtversuch. Er verfolgt mich! Panisch renne ich durch die Stadt. Doch die Schritte kleben an mir. "Bleib stehen! Ich erwisch dich doch sowieso! Du kannst mir nicht entkommen!" Zum Glück lebe ich schon eine ganze Weile in dieser Stadt. So schnell ich kann, renne ich die Strasse hinauf, an den Bahngleisen entlang. Das Tor sehe ich schon von weitem. Der Eingang zum Friedhof. Ich passiere ihn und eile über die Ruhestätte. Hier und da erleuchten ein paar Kerzen die Gräber und werfen ein paar unheilvolle Schatten. Und als ob diese düstere Stimmung nicht bereits genug wäre, ertönen die Kirchglocken um pünktlich die Mitternacht einzuläuten. Mein Herz rast, ich bin nämlich nicht gerade der Sportlertyp. Ich halte an dem Gedanken fest, dass niemand aus dieser Stadt den Wald besser kennt als ich. Endlich erreiche ich das andere Ende des Friedhofes und springe über die kleine Mauer, welche nicht höher als einen Meter sein dürfte. Schon fast im Wald werfe ich einen kurzen Blick über meine Schulter. Er klebt immer noch an mir.. Geschickt springe ich über Wurzeln und husche unter den tiefer hängenden Ästen durch. Nach kurzer Zeit erreiche ich auch schon die kleine Hütte welche ich angestrebt habe. Ich kenne sie kaum, da ich die Natur eigentlich bevorzuge, aber sie kommt mir in diesem Augenblick sehr gelegen. Vor der Tür bremse ich ab und falle doch glatt über eine Wurzel welche ich wohl übersehen habe. "Jetzt habe ich dich!" Mit einem Satz bin ich wieder auf den Beinen und ergreife die Türklinke. Bevor ich diese jedoch herunterdrücken kann, springt der Kerl von hinten auf mich drauf. Gemeinsam krachen wir gegen die alte Tür, diese springt sofort aus ihren Angeln und wir stürzten zusammen mit ihr zu boden. Eine grosse Staubwolke wirbelt durch die Luft und verschlechtert uns die Sicht auf den Innenraum. "Gib mir endlich das Geld!", brüllt er mich an. Mein Blick muss der einem Kaninchen gleich kommen, welches ein scharfes Messer vor sich aufblitzen sieht. "Ich habe nichts bei mir! Lass mich los!" Die Angst schnürt mir fast die Kehle zu. Ich spüre seinen festen Griff an meinem Shirt, er hebt mich ein bisschen von dem verdreckten Boden nach oben und zieht den anderen Arm nach hinten, die Faust geballt, bereit zum Zuschlagen.
Grrrr.....
War das.. ein Knurren? "War das.. ein Knurren?" Zögerlich blickt er über die Schultern. Doch hinter ihm steht niemand, auch kein Tier.
Auuuu!
"Hey Kevin! Das ist nicht witzig! Hast du hier irgendwo ein Tonband versteckt oder was? Du willst mich doch wohl verarschen." "Ich habe nichts dergleichen getan!", entflieht es mir. "Was denn? Und das soll ich dir abkaufen? Willst du mir etwa weis machen..", seine Worte ersticken beim plötzlichen erklingen eines weiteren Knurrens.
Grrr.....
"Das hört sich so an.. Als käme es von unten", denke ich etwas lauter als gewollt. Zeitgleich starren wir auf die Holzlatten herunter auf welchen wir sitzen. Seine Hand an meinem Shirt lockert sich endlich etwas. Ich stütze mich mit den Ellenbogen auf dem Boden ab und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Vielleicht ist wirklich irgendwo ein Fernseher oder Radio eingeschalten? Chris scheint den gleichen Gedanken zu verfolgen. Sein Blick schweift ebenfalls durch den dunklen und etwas muffigen Raum.
Grrr....
"Ich glaube das kommt aus dem Raum dort drüben." Chris lässt mein Shirt los und steht langsam auf. Mit dem Blick auf eine Tür an der hinteren Wand gerichtet, geht er zielstrebig auf diese zu. Zögerlich stehe ich ebenfalls auf und folge ihm. Wieso weiss ich nicht. Vielleicht die Neugierde? Oder vielleicht einfach der Kopf, der die Bestätigung braucht, dass irgendwo ein elektronisches Gerät nicht ausgeschalten wurde, welches diese Geräusche von sich gibt. Knarrend öffnet Chris die Tür zum nächsten Raum. Ein Luftzug weht uns einen noch schlimmeren Geruch entgegen. Angewiedert verziehe ich das Gesicht. Nicht, dass es jemand gesehen hätte. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen.. Doch da ist nichts. Ich meine.. wirklich rein gar nichts. Ausser einem ziemlich heruntergekommenen Teppich, der sogar noch die gleiche Farbe trägt wie der alte Fussboden, ist in dem Raum kein einziges Möbelstück zu sehen. Nicht einmal ein Fenster. Moment mal... "Wenn es in diesem Raum kein Fenster gibt, woher kam denn dieser Luftzug gerade, mit diesem üblen Gestank?", stelle ich die Frage mehr zu mir selbst. Chris dreht sich zu mir um und starrt mich an, als hätte er einen Geist gesehen. "Was ist? Hast du einen Geist gesehen Chris?" "Ich mach dich gleich zu einem Geist wenn du nicht die Klappe hälst. Hör mal hin." Nichts ist zu hören. Nicht einmal eine Eule von draussen. Doch dann... Ich höre ein leises Pfeifen. Ein sehr leises Pfeifen. Ein Luftzug! Ich bewege mich langsam in die Richtung und stehe schon bald vor der nächsten Wand. Sanfte Rillen zieren die Wand und aus einer von ihnen, scheint dieser Luftzug zu kommen.
Grrrr...
Es ist nun wirklich deutlicher zu hören. Und es scheint auch von hinter der Wand zu kommen. Plötzlich schiesst mir ein Gedanke durch den Kopf, welchen ich nicht für mich behalten möchte: "Bist du dir sicher, dass wir, das... was auch immer es ist! Sehen und finden wollen?" "Geh halt wenn du die Hosen voll hast. Ich gehe der Sache auf den Grund." Chris steht nun neben mir und sucht die Wand ab. "Hier muss es doch irgendwo eine Türklinke oder ähnliches geben.." Ich scheine nicht der Einzige zu sein, der manchmal etwas lauter denkt als gewollt. Auch wenn ich bis dahin immer Zweifel hatte, dass Chris soetwas wie denken kann. "Ach scheiss drauf!" Bevor ich auch nur einen Laut von mir geben kann, muss ich zu sehen, wie er das Bein anhebt, und mit voller Wucht gegen die Wand donnert. Mit einem lauten Krachen stürzt das Holz nach innen auf und fliegt eine Treppe hinunter. "Ähm.. Darf ich was Fragen?" "Was ist denn verdammt?" "Wenn du.. oder halt wir, finden, was auch immer hier knurrt. Was gedenkst du dann zu tun?" "Hängt davon ab." "Und wo von?" "Wie es auf uns reagiert", und mit diesem Satz kehrt er mir den Rücken zu und steigt die Treppen hinunter. Ich glaube das werde ich noch bereuen, denke ich mir, und folge ihm widerwillig. "Hey! Hast du eine Taschenlampe dabei? Hier sieht man ja fast nichts!" Ich greife in meine Tasche und ziehe mein Handy vor. Ein paar Tasten angewählt und schon habe ich es in eine Taschenlampe verwandelt. "Da, nimm." Ich reiche Chris mein heiss geliebtes Handy, da er immer noch vor mir geht. Er nimmt es dankend entgegen und endlich sehen wir auch, wo wir uns befinden. Vor uns erstreckt sich ein langer Gang, mit vielen verschiedenen Türen. "Na toll. Und woher wissen wir, welche Tür die Richtige ist?" "Wenn du die Klappe hälst.." Gerade als ich etwas erwidern möchte, hören wir es erneut:
Grrrrrrrr...
Es scheint genau von der Türe zu kommen, welche sich am Ende von dem Flur befindet. Gemeinsam gehen wir darauf zu. Nach einer gefühlten Ewigkeit stehen wir davor. Obwohl jede Faser meines Körpers schreit -Lauf weg!-, bleibe ich genau hinter Chris stehen. Geduldig sucht er die Tür ab. Auch hier scheint es keine Klinke zu geben. Ich bemerke etwas auf dem Boden und zupfe am Shirt von Chris. "Was denn?" Wortlos zeige ich mit meinem rechten Zeigefinger auf den Boden direkt vor der Tür. Er dreht mein Handy so, dass der Lichtkegel der Taschenlampe auf die von mir angezeigte Stelle schwenkt. "Sieht aus wie ein Rattenschwanz," kommentiert Chris das Fundstück, welches unter der Türe hervor schaut. "Mal schauen wie der Kanalratte das gefällt", damit hebt Chris den Fuss und tritt auf den Rattenschwanz. Keine Reaktion. Er beugt die Knie und hebt das Ding auf. "Siehst du? Rattenschwanz." Er hält mir den abgetrennten Schwanz vor die Nase und wedelt belustigt damit herum. "Du bist doch krank! Nimm das Ding weg!" Zeitgleich springen wir aus Reflex einen Meter zurück, als plötzlich von der anderen Seite der Tür etwas dagegen knallt. "Was zum... Na? Willst du diese nicht auch einfach eintreten?" "Dabei würde ich mir wohl nur das Bein brechen." "Wie kommst du denn zu dieser seltsamen Schlussfolgerung?" "Egal wer oder was da drin ist. Wenn diese Tür so einfach aufzubrechen wäre wie letzte, meinst du nicht, dass dieses Ding dadrin dies nicht schon längst getan hätte?" Ergibt irgendwie Sinn..
krrrrrrrrr
"Ich glaube es hat uns gehört...." "Ach was.. wie kommst du nur auf diese Idee du Genie!" "Ich glaube das ist unser Stichwort um..."
Krach!
Die Tür fliegt uns entgegen und trifft Chris mit voller Wucht am Kopf. Er stürzt in meine Richtung und hätte mich fast mit zu boden gerissen. Zu meinem Glück bin ich gleich noch zur Seite gesprungen. Die Türe liegt auf Chris, und somit ist auch der Lichtkegel fast entschwunden. Sanft leuchtet er noch darunter hervor.
Grrrrr!
Etwas mit weissen Augen kommt auf mich zu. Es knurrt mich an. Mein Atem fängt an zu stocken, mein Herz rast und ich fühle mich, als würde mir jeden Moment schwarz vor Augen werden. Ist das Fell? Ein Wolf? Ein Hund? Die Tür bewegt sich und fällt zur Seite. "Chris!" Der Lichtkegel kommt zum Vorschein. Ich sehe gerade noch wie sich die Schnauze von diesem Tier von uns wegdreht und es in die Dunkelheit flüchtet. "Was ist das?!", schrei ich hysterisch, "Das ist kein Tier!" "Aua mein Kopf.. Was faselst du denn da?" "Da hat sich gerade etwas in die Dunkelheit verkrochen! Das ist kein Tier! Es hat Fell, aber es ist definitiv zu gross um ein Wolf oder Hund zu sein! Lass uns von hier verschwinden!" "Du hast doch einen Knall. Dabei habe doch ich gerade die Tür gegen den Schädel gedonnert bekommen." Langsam steht Chris auf und hebt mein Handy vom Boden auf. Er leuchtet damit in den Raum vor uns. Der Boden ist voll mit Rattenschwänzen und Blut. In der Mitte des Raumes steht ein alter Holztisch. An jedem der 4 Beinen des Tisches, ist eine Eisenkette mit Halsband angebracht. Langsam taumelt Chris in den Raum hinein. "Komm da raus! Wir müssen hier sofort weg!" Mein Herz rast noch immer und obwohl Chris für mich vieles ist, doch würde ich ihn am Wenigsten als Freund bezeichnen, möchte ich ihn nicht diesem Monster überlassen. Zögerlich folge ich ihm, als vor unseren Füssen plötzlich etwas zu fall kommt. Mit einem lauten Klatsch bleibt es liegen. Chris schwenkt den Lichtkegel auf den Fussboden, und was wir dort zu sehen bekommen, lässt mich kurz würgen. "Ist das..?", mir wird schlecht. "Jap. Scheint eine zerfetzte Ratte zu sein. Und den Maden nach zu urteilen, ist sie nicht erst seit heute tot." Erst jetzt bemerke ich, dass dieser üble Geruch von vorhin, allem Anschein nach, von diesem Raum aus ging. Ich kann nicht anderst.. Mein Magen verkrampft sich und schiebt mein Abendessen nach oben. Ich entleere den gesamten Inhalt auf den Boden. Langsam wird mir das Ganze hier zu viel. Unterdessen sucht Chris bereits wieder den Raum ab mit dem Handy. "HA!", ruft er und lässt den Lichtkegel verweilen. Als mein Blick dem Licht bis zum Ende folgt, trifft mich fast der Schlag. In einer Ecke des Raumes liegt eine total verdreckte Matratze. Darauf sitzt etwas und starrt uns ängstlich an. Die weissen Augen versucht es mit dem Arm abzuschirmen. Ich kann nicht anderst als einfach nur auf dieses Wesen zu starren. Es ist definitiv Weiblich. Dies erkenne ich an dem Körper-, und natürlich was jedem Kerl zuerst auffällt, an ihrem Vorbau. Jedoch.. Der komplette Körper ist mit Fell bedeckt. Ja! Der komplette! Eine Schnauze.. Pfoten.. Krallen.. Menschlicher Körper? "Kneif mich mal.."

Einsamkeit (Sabritt)
"Sag mir, das ich Träume Chris! Da sitzt kein Werwolf auf der Matratze oder?" "Tut mir leid, aber ich glaube genau so ist es." Die Beiden starren mich an. Das Licht blendet meine Augen. Ich bin schon zu lange hier unten. Die Dunkelheit war immer mein Freund, da mich diese Viecher nicht kommen sahen dank meinem dunklen Fell. Ich versuche etwas zu sagen, damit der Grössere der Beiden endlich dieses Licht von mir wegdreht. Doch ausser einem Knurren vermag ich nichts brauchbares aus meiner Kehle hervorzubringen. Zur Not greife ich nach den Resten meiner letzten Mahlzeit und werfe sie nach dem Ursprung des Lichts. Leider sind meine Wurfkünste nicht die Besten und ich treffe den Grösseren damit am Kopf. "Aua! Hey was soll denn der Scheiss?" Wütend stampft er in meine Richtung. Mein Atem wird schneller, der Puls rast und meine Pfoten werden heiss. Ich habe Angst! Menschen verstehen uns nicht! Menschen sind immer so voller Zorn und verachten alles was nicht auch menschlich ist. Und derzeit bin ich alles andere als das. Ich packe meinen linken Arm und zieh daran. Natürich bin ich kräftiger als normale Menschen und damit gelingt mir meine Idee auch. Schmerz durchströmt meine Schulter. Es zerrt und reisst an meinen Nerven, aber ich gebe nicht nach und zieh weiter daran. Nach kurzer Zeit springt mein Oberarmknochen aus der Schulter und das weiche Fleisch gibt nach. Blut fliesst an meiner Flanke herab und verklebt mir mein Fell. Was mich jedoch nicht weiter stört. Hier unten gibt es nicht gerade fliessendes Wasser und so hat sich mein Fell über die Monate schon sehr verfilzt. Endlich reisst auch die letzte Sehne und damit ist ein lauter Knall durch den Raum zu hören. "Was tust du denn da!", schreit mich der Kleinere an. Fest umklammere ich meinen linken Arm der nun totem Fleisch gleich kommt. Ich springe auf und stürme auf den Grösseren zu. Mit meinem Arm als Waffe, schlage ich damit nach der Lichtquelle und treffe sie auch. Ein metallischer Klang hallt durch den Raum als es zu boden fällt. Endlich ist es wieder finster. Meine Augen erholen sich langsam, der Schmerz lässt nach und nach kurzer Zeit sehe ich wieder klar. Ich lasse meinen linken Arm fallen und zücke meine Krallen an der rechten Pfote. Ich drehe mich zu dem Kleineren um, vergrabe meine Krallen in seiner Schulter und reisse ihn zu boden. Abermals versuche ich mit Worten den Beiden klar zu machen, dass sie besser von hier verschwinden sollten. Doch meine Stimme vermag es nicht und somit knurre ich sie wieder nur an. Der Grössere stürzt sich von hinten auf mich und ringt mich zu boden. Es scheint als hätte ich doch nicht so viel Kraft wie damals..
Ja, damals, als ich noch als Mensch durch die Stadt wandeln konnte..
Damals, als ich mich nicht von beschissenen Ratten ernähren musste..
Damals, als ich Nachts die Dörfer und Städte unsicher gemacht habe, und alle sich vor mir fürchteten. Ich konnte essen worauf ich gerade Lust hatte. Das Leben war so viel einfacher. Bis zu diesem einen Abend, als ich zu unvorsichtig bei meiner Mahlzeit war und mich eine Hexe erwischte...
"Habe ich dich!", brüllt der Grössere mir ins Ohr. Die Menschen sind alle so furchtbar laut.. Er legt sein ganzes Gewicht auf meinen Rücken und hält meinen rechten Arm fest, so, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. "Kevin alles klar bei dir?" Der Kleinere scheint nach meinem Angriff schwer angeschlagen zu sein. Er sitzt auf dem kalten Boden und hält seine Schulter fest. Wieso verschwindet ihr nicht einfach? "Ja geht schon irgendwie" erwidert er dem Grossen. Langsam steht er auf und sein Oberkörper verschwindet aus meinem Sichtfeld. "Und was machen wir jetzt mit dem Ding?" Ding?! Ich bin doch kein Ding! Ich war und bin auch ein Mensch.. Nur halt nicht immer.. So langsam kommt das Gefühl der Furcht zurück.. Was werden sie mir antun? Werde ich wieder gefoltert? Werden sie auch an mir experimentieren? "Ich würde sagen, wir schnallen es mal auf dem Tisch dort fest", schlägt der Grössere vor. Bitte nein! Nicht schon wieder! Ich versuche mich zu befreien, doch die rattigen Mahlzeiten und der enge Raum hier unten, haben mich nicht gerade bei Kräften gehalten. Gemeinsam packen sie mich, schleifen mich auf dem Boden entlang bis vor den Tisch. Der harte Boden schabt an meinem verfilzten Fell und reisst mir ein paar Hautfetzen runter. Ich kann mein eigenes Blut riechen. Gemeinsam schaffen sie es sogar, mich auf den Tisch zu hieven. Naja, wenn ich mich so ansehe, habe ich wohl die letzten Monate, in welchen ich meine Zeit hier unten verbracht habe, doch ziemlich abgenommen. Der Grosse hält mich auf dem Tisch fest, während der Kleine, die Eisenketten anhebt und sie nach einander an meinen 3 Gliedmassen befestigt. Lasst mich frei! Ihr habt doch keinen Nutzen von mir! "So, und was nun?" Beide lassen von mir ab und sehen sich fragend an. Ich zerre an den Ketten, obwohl ich aus langer Erfahrung weiss, dass dies sowieso zwecklos ist. "Wir gehen. Es ist festgeschnallt und wird niemandem mehr etwas antun können. Lassen wir es einfach hier verrotten." "Aber.." "Was -aber-? Willst du etwa dafür verantwortlich sein, dass sowas frei herum läuft?" "Nein.. Aber.. Denk doch mal nach! Es ist bestimmt nicht erst seit heute hier unten. Es hätte doch mit Leichtigkeit fliehen können! Wieso ist es also immer noch hier unten?" Mit Leichtigkeit also.. Ja klar, weil ihr ja auch ein Bild anseht und dabei nur ein Bild seht.. "Ich weiss es nicht, und es ist mir ehrlichgesagt auch egal! Lass uns endlich von hier verschwinden. Sonst werden wir diesen Gestank hier nie wieder los.." Der Grössere dreht sich um und marschiert aus dem Raum. Der Kleinere sieht mich an. Unsere Blicke treffen sich kurz. Verzweifelt starre ich zurück. Ich möchte so nicht sterben.. Das habe ich doch nicht verdient.. Ich kann auch nichts für mein Schicksal.. Lasst mich frei! Bitte! Er sieht mich traurig an, schliesst die Augen, seufzt kurz und dreht sich um und folgt dem Anderen aus dem Raum. NEIN! Wie wild zerre ich an den Ketten. Mein Puls rast, mein Herz droht vor Angst zu zerreissen. Meine Augen werden feucht in anbetracht meines bevorstehenden Schicksals. Ein kurzer Jauler entflieht meiner Kehler und endet mit einem verzweifelten betteln.. Ich rieche sie nicht mehr! Sie sind.. weg...

Zerreissprobe (Kevin)
"Chris, warte mal.." Meine Gedanken spielen verrückt. Ich weiss genau, dass das, was ich ihm jetzt sagen möchte, ihm nicht gefallen wird. Doch ich muss es endlich los werden. "Was ist denn?" Er bleibt vor der Hütte stehen, dreht sich um und sieht mich finster an, als ob er bereits wüsste, was ich ihm sagen möchte. "Findest du das richtig was wir da eben getan haben? Ich meine.. Sie hat uns doch eigentlich gar nichts getan." "Erzähl das mal deiner Schulter. Du solltest glaub einen Arzt aufsuchen." "Es tut eigentlich gar nicht mehr weh. Die Schmerzen sind schon längst wieder weg. Da lagen tote Ratten! Und nicht tote Menschen!" "Möchtest du wirklich, dass erst ein Mensch draufgeht, bevor du mir glaubst?!" "Nein natürlich nicht. Aber wir wissen doch rein gar nichts über sie. Sollten wir uns nicht erst einmal anhören, was sie dazu zu sagen hat?" "Wenn sie sprechen könnte, oder etwas zu sagen hätte, glaubst du nicht, dann hätte sie das getan?" "Naja.. Doch eigentlich schon.. Aber.." "Nein nichts aber! Ich will nichts mehr davon hören! Ich gehe jetzt nach hause und schlaf mich aus. Und du solltest das Selbe tun! Ich glaube jah nicht, dass ich deine Wettschulden so einfach vergesse! Die werde ich mir noch bei dir holen!" Und damit dreht er sich um und geht davon. Ich bleibe noch eine Weile stehen und blicke kurz über die Schulter. Langsam bemerke ich, wie total erschöpft ich bin. Ich wende mich von der Hütte ab und mache mich auf den Heimweg..

"Lass mich in Ruhe! Das ist nicht richtig!" Ich bin im Keller, meine Handgelenke und Fussknöchel sind am Tisch angekettet. Ich schrei mir die Kehle wund. Chris ist über mich gebeugt mit einem hässlichen Grinsen im Gesicht. Seine Haut übersät mit Blutsprenkel. Mein Blick wandert kurz zum toten Werwolf in der Ecke. Ihr Körper ist total zerfetzt. Chris hat sie erst befragt, als sie jedoch nichts gesagt hat, hat er sie gequält und misshandelt. Mit einem Messer hat er sie traktiert, ihr tiefe Wunden zugefügt und dann angefangen, ihr das Fell abzuziehen. Er meinte, sie gäbe bestimmt einen tollen Mantel ab. Als ich ihn aufhalten wollte, hat er mich zu boden geworfen und nun auf dem Tisch festgeschnallt. "Na Kev! Fühlst du dich immernoch wie ein Held? Wie gefällt dir das?" Er nimmt das Messer zur Hand und beginnt damit, mir an jedem meiner Finger die Spitzen abzusäbeln. "AHH!! Lass das Chris! Du bist doch wahnsinnig!" Schmerzen durchzucken jede Faser meines Körpers. Ich zieh und rüttle an den Fesseln, doch eigentlich weiss ich ganz genau, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen kann. Hilflos schrei ich zur Decke um meinen Schmerzen Ausdruck zu verleihen. Mich wird niemand finden.. Er hält mir das scharfe Messer vors Gesicht und spricht mit unheimlich ruhiger Stimme: "Du darfst deinem geliebten Werwolf gerne folgen du Arschgesicht!" Mit einer schnellen Handbewegung, schneidet er mir die Kehle durch und das letzte was ich sehe, ist sein bösartiger Blick und sein finsteres Grinsen...

Schweissgebadet schreck ich in meinem Bett hoch. Es war nur ein Traum.. wird mir bewusst. Für mich war es nur ein Traum, doch für dieses Wesen ist dies bestimmt gerade die harte Realität. Ich kann nicht anderst! Ich schwinge meinen Körper aus dem Bett und ziehe mich wieder an. Ich kann mit diesem Gedanken nicht einfach heile Welt spielen! Ich laufe zur Haustüre, hüpf in meine Turnschuhe und mach mich auf den Weg zum Wald. Als ich auf dem Friedhof ankomme, bemerke ich, dass es erst 4 Uhr Morgens ist. Ich eile weiter und erreiche auch bald die Hütte. Die Tür liegt noch immer auf dem verdreckten Boden. Dafür ist nun der Innenraum ausgelüftet und nicht mehr so muffig - ist doch immerhin etwas oder? Alles ist toten still.. Ob sie noch da ist? Vielleicht konnte sie sich befreien und ist abgehauen? Oder Chris kam noch einmal zurück und hat sie getötet? Die Gedanken drehen sich im Kreis und unbewusst steigere ich mein Tempo und eile die Stufen hinab. Etwas verunsichert gehe ich langsam auf den dunklen Raum zu, da bemerke ich etwas.. Wo ist eigentlich mein Handy abgeblieben? Ich suche in meinen Taschen, als es mir dämmert: Sie hat ihm das Handy aus den Händen geschlagen und wir haben es liegen lassen.. Ich blicke in den Raum, langsam gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit und ich erkenne viele Umrisse. Der Tisch, irgendwas liegt darauf - Der Werwolf wie ich vermute. "Hallo..? Bist du noch da?" - Keine Antwort.. Doch ich höre schwere Atemgeräusche. Vielleicht ist sie eingeschlafen? Ich nähere mich vorsichtig dem Tisch. Sie ist es definitiv. Meine Augen haben sich nun so sehr daran gewöhnt, dass ich ihr Fell ausmachen kann. "Ich helfe dir", flüstere ich so leise, dass nicht mal ich es richtig gehört habe. Gibt es hier einen Schlüssel? Ich untersuche den Raum mit gebückter Haltung, um den Boden abzusuchen, doch werde ich nicht fündig. Enttäuscht gehe ich wieder zum Tisch, als ich plötzlich merke, dass ich beim Absuchen des Bodens, gar nicht ausversehen über ihren linken Arm gestolpert bin. Mit grossen und verwunderten Augen betrachte ich ihre Schulter. Der Arm ist wieder dran! Die Angst lähmt meinen Körper, und ich kann sie nur noch anstarren. Als ich jedoch in ihr Gesicht blicke, bemerke ich, dass sie mich mit finsteren Augen anblickt. Vor Schreck stolpere ich rückwärts und fall hin. Sie zerrt und rüttelt an den Ketten, so dass ein lautes Rasseln die Stille zerreisst. "Warte, warte! Ganz ruhig!" Hastig steh ich wieder auf und stelle mich neben sie. "Ich bin zurück gekommen, um dich zu befreien!" Ein leises Knurren geht von ihr aus. "Doch leider weiss ich gerade nicht... wie..." Verzweifelt lasse ich den Blick zu boden sinken. Wie kriege ich sie nur von diesen verdammten Ketten los? Wir haben ihr das angetan.. Ich werde sie nicht sterben lassen! "Hey! Warte mal! Dein linker Arm. Ist der wieder komplett geheilt?" Als ob sie mir die Bestätigung auf die Fragen geben möchte, kratzt sie mit den Krallen von ihrer linken Pfote über den Holztisch. "Sehr gut, ich hätte da eine Idee.. Aber ich glaube das wird für dich nicht ganz angenehm.." Ich schlucke leer, weil mich die Idee selbst ziemlich nervös macht. "Ich pack deinen rechten Arm und versuche so, deine Pfote abzureissen. Das selbe tu ich mit deinen Füssen.. ähm.. Pfoten? Und wenn du frei bist, flicken wir dich wieder zusammen. In Ordnung?" Sie blickt mich an. Ihr finsterer Blick verschwindet, dafür erkenne ich einen Funken von Angst und Verzweiflung darin. Sie lässt den Kopf auf die Tischplatte fallen und ein dumpfer Knall ist dadurch zu hören. "Ich nehme das mal als ja." Zögerlich gehe ich um den Tisch herum und greife nach ihrem rechten Unterarm. "Bereit?" Keine Antwort - Natürlich. Ich reisse mich zusammen, um sie auseinander reissen zu können - Was für eine Ironie. Ich atme tief ein und ziehe mit aller Kraft an ihrem Arm. Ihr lautes Jaulen erfüllt den gesamten Raum. Mit dem verheilten Arm, bohrt sie ihre Krallen in meine Schulter. Ich beisse mir gegen die Schmerzen auf die Zähne und zieh weiter an ihrem Arm. Ein lautes Krachen ist plötzlich zu hören. Waren das ihre Knochen? Oh Gott... Ihr Jaulen wird leiser, dafür höre ich plötzlich ein lautes Knallen. Das selbe Knallen welches wir hörten als... Oh.. verdammt.. Die letzte Sehne reisst und mich haut es somit nach hinten auf den Boden. Ich lasse ihren Arm los um den Sturz zu bremsen, doch leider nützt es nicht wirklich viel. Der Boden ist ziemlich hart, und ich bin mir sicher, dass wenn ich anderst gefallen wäre, ich mir bestimmt irgendwas gebrochen hätte dabei. Langsam rappel ich mich wieder auf. Meine Knochen schmerzen und meine Schulter ebenfalls von ihren Krallen. Ich sehe gerade n och, wie ihre Hand vom Tisch fällt, immerhin ist ihr Arm wieder frei. Ihr Kopf liegt seitlich auf dem Tisch. Ist sie etwa ohnmächtig geworden? Keine Zeit darüber nachzudenken. Ich greife nach ihrem Bein und ziehe daran. Kurze aber leise Jauler sind von ihr zu hören, also ist sie noch wach. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, sind jetzt endlich ihre Gliedmassen alle frei. Sie ist jedoch nicht mehr bei Bewusstsein. Ich kann nur hoffen, dass sie alles gut überstehen wird. Vorsichtig hebe ich sie von dem Tisch hoch und trage sie zur Matratze. Sanft lege ich sie darauf ab. Ich ziehe meine Jacke aus und decke sie damit so gut es geht, etwas zu. Die Hand und Füsse sammle ich ein und lege sie daneben. Ich fühle mich so erschöpft. Das war nicht nur eine grosse, körperliche Anstrengung, sondern auch eine ziemliche Nervensache. Schweiss rinnt mir von der Stirn, als ich mich einfach auf den harten Boden lege und sofort einschlafe..

Fragen und Antworten (Kevin)
Langsam öffne ich die Augen.. Irgendwas starrt mich an. Ich schrecke hoch als ich sehe, dass da vor mir eine Ratte sitzt. Die Ratte erschrickt ebenfalls ab meiner aprupten Bewegung und flitzt davon. Ich fühle mich etwas, als hätte mich eben ein Laster überrollt und stehe auf. Mein Kopf brummt noch, doch als ich sehe, dass die Matratze leer ist, entschwindet auch dieses Gefühl blitzschnell. Panisch drehe ich mich hin und her, doch im Raum ist sie auch nicht mehr. Oh Gott, ist sie raus zum fressen? Ich haste zur Tür, flitze durch den Flur und springe die Treppen hinauf. Oben angekommen, bemerke ich, dass die Sonne bereits weit oben steht. Ich bleibe unter der Tür stehen und möchte rufen.. Doch.. Nach wem soll ich rufen? Ich kann ja schlecht "Hey Werwolf" durch den Wald schreien. Da sehe ich plötzlich eine Bewegung hinter den Bäumen. Irgendwas kommt auf mich zu.. aber äusserst langsam. Ich kneife die Augen etwas zusammen, und sehe dadurch, dass es die Werwölfin ist. Sie scheint irgendwas hinter sich her zu ziehen. Ich gehe ihr entgegen, bloss keine schnellen Bewegungen, vermutlich ist sie wieder bei Kräften und könnte mich als flüchtende Beute ansehen. Als ich ihr näher komme, sehe ich, was sie hinter sich herzieht: Ein totes Reh. Na so hat sie immerhin etwas zu fressen und springt nicht gleich mir an die Kehle. "Na? Hunger bekommen?" "Du nicht?", antwortet sie mit rauer Stimme. Es haut mich fast aus den Socken als sie plötzlich spricht. Mit grossen Augen starre ich sie an: "Du.. sprichst?" "Natürlich du Held. Ich bin ein Werwolf und kein richtiges Tier. In mir steckt immer noch ein Mensch." "Und warum dann ein Reh?" "Was genau verstehst du an dem Wort 'wer-WOLF' nicht?" Erwidert sie und blickt mich etwas genervt an. Ich nicke und tu so, als ob ich es verstehen würde, um weitere dicke Luft zu vermeiden. Unerwartet bleibt sie vor der Hütte stehen, setzt sich auf den Waldboden und beginnt damit, mit ihren Krallen das Reh in Scheiben zu schneiden. Blut rinnt aus der offenen Wunde und tränkt den Waldboden. Ihr Fell ist immer noch sehr verfilzt und schmutzig. "Du solltest dir mal ein Bad gönnen", kommentiere ich meine Beobachtung und bereu es auch sofort als sie mich wieder finster anfunkelt. Ohne es eilig zu haben, zerkaut sie jeden Bissen von dem Reh ganz genüsslich, als ob sie zum ersten Mal in ihrem Leben etwas fressen würde. Nach einer Weile sind fast nurnoch die Knochen übrig. Und ich? Steh daneben und schau ihr wie hypnotisiert beim fressen zu. Meine Gedanken sind etwas wirr.. Warum ist sie no nett? Wo ist ihre Wildheit abgeblieben? Warum hat sie mich nicht getötet? Warum kann sie jetzt plötzlich sprechen? Woher hat sie diese Selbstheilungskräfte? Gibt es noch mehr Werwölfe in diesem Wald? So viele Fragen schiessen mir durch den Kopf. Ich zucke kurz vor Schreck zusammen, als sie plötzlich das Wort an mich richtet: "Frag doch einfach." "Wie? Was meinst du?" "Ach komm schon. Ich sehe es dir doch an, dass dir irgendwas im Kopf rumgeht. Und da du noch nicht voller Panik weggerannt bist, sondern mir hier stillschweigend beim Essen zusiehst, nehme ich an, deine Neugierde ist grösser als deine Angst." Wo sie recht hat.. Doch.. Mit welcher Frage fange ich an..? "Wie heisst du?" "Ich heisse Sabritt. Und du bist Kevin, nicht wahr?" "Richtig, woher weisst du das?" "Nur weil ich nicht sprechen konnte, heisst das nicht, dass ich taub bin." Irgendwie schafft sie es andauernd, dass ich mir ziemlich dämlich vorkomme. "Warum kannst du denn jetzt plötzlich sprechen?" "Weil ich nicht mehr im Keller dieser Hütte bin." "Wie meinst du das?" "Was glaubst du, wer mich dort unten eingesperrt hatte und warum ich da nicht raus kam? Ich wurde Jahrelang dort unten festgehalten. Gefoltert, gequält und sie hat an mir Experimente und Operationen durchgeführt." "Sie?" "Ja, 'Sie', die Hexe Tyra." "Und wo ist sie nun?" "Ich weiss es nicht. Sie war seit Monaten nicht mehr hier, und bevor sie ging, brachte sie mich zum Schweigen in dem sie die Hütte mit einem Spruch belegt hat, der mich auch darin gefangen hielt. Ich konnte so viel Jaulen und Knurren wie ich wollte, niemand hörte mich.. Bis ihr zwei gestern Abend die Tür eingebrochen habt." "Aus dem Grund hast du dauernd geknurrt?" "Ja. Es sind die einzigen Laute zu welchen ich Fähig war um euch her zu locken." "Aber wieso bist du nicht auf uns los gegangen? Du bist immerhin ein Werwolf!" "Ach? Und wie viele Werwölfe kennst du?" Darauf fällt mir nichts ein und ich senke den Blick gegen den Boden. Als ich sie ansehe, fällt mir plötzlich noch was ein: "Wie ist es Möglich, dass du dich selbst heilen kannst? Ich meine.." "Die Sache mit meinem Arm, oder?", beendet sie den Satz für mich. "Ja, richtig." "Das liegt an ihren Experimenten. Tyra ist eine junge Hexe und hat vieles an mir ausprobiert. Einige Sprüche haben geklappt, andere gingen schief. Mit einem Spruch wollte sie mich in die Luft sprengen - Gut ja, hat sie auch geschafft. Danach hat sie mich mit einem anderen Spruch wieder zusammengeflickt. Dieser hat jedoch Spuren bei mir hinterlassen. Ich kann das nicht steuern, es passiert einfach. Ich fall um, und wenn ich wieder erwache, sind meine Wunden geheilt." "Und.. Ich meine.. Wie kommt man auf so eine dämliche Idee, sich den Arm auszureissen, nur um dann jemand anderem das Handy damit aus der Hand zu schlagen? Hättest du das mit den Krallen nicht auch gekonnt?" Seh ich da etwa ein leichtes Grinsen in ihrem Gesicht? Die Frage amüsiert sie wohl.. "Gegenfrage: Was hättet ihr getan, wenn ich gleich mit meinen Klauen auf euch losgegangen wäre? Oder noch besser: Was wäre die Folge davon gewesen?" Ich rufe in meinem Gedächnis die Situation wieder hervor und fange an zu verstehen was sie meint. "Chris hätte den Angriff wohl nicht überlebt oder dich aus Angst gleich umgebracht. Hättest du uns mit den Krallen gedroht, würdest du jetzt nicht mehr leben." "Richtig. Oder du wärst aus Angst nicht mehr zurückgekommen." "Was kümmert dich das? Die Türen standen offen." "Ich bin keine Mörderin wenn es nicht unbedingt sein muss, das solltest du dir gut merken. Ausserdem.. Ich war Monate lang dort unten auf mich allein gestellt. Ausser Ratten gab es für mich nichts zu fressen. Ausser der Dunkelheit nichts zu sehen. Das dämliche Licht hat mich geblendet." "Apropo Licht.. Wo ist eigentlich mein Handy abgeblieben?" "Ach? Hat es dir dein Kumpel nicht gesagt?" "Welcher Kumpel?" Oh... "Du meinst Chris? Das ist nicht mein Kumpel. Aber was hat er mir nicht gesagt?" "Er kam noch einmal zurück.." "Wie bitte?" "Ja. Kurz bevor du gekommen bist war er auch nochmal da. Er hat mir gedroht, sah das Handy auf dem Boden, hat es eingepackt und ging wieder." "Gedroht? W as hat er denn gesagt?" "Er sagte, wenn er mich noch einmal sieht, und ich noch am Leben bin, werde ich dem Tode geweiht sein." "Was für ein Arschloch.." Was ist dem Kerl nur passiert, dass er so einen Hass auf sie hat? Sie hat ihm eigentlich gar nichts getan und trotzdem möchte er sie tod sehen? Das ergibt doch irgendwie keinen Sinn? "Was ähm.. Gedenkst du jetzt zu tun? Jetzt, da du endlich frei bist?" "Habe ich mir ehrlichgesagt noch gar nicht weiter überlegt.. Vielleicht nehme ich Rache an der Hexe, die mir das angetan hat." "Du meinst die Folter und das ganze Zeug?" "Richtig. Aber weisst du.. So blöd das jetzt auch klingen mag: Das schlimmste war die Einsamkeit." "Die Hexe war doch da.. und die Ratten?" "Sehr witzig.. Einsam bist du dann, wenn es keinen kümmert, ob du tod, oder noch am Leben bist." "Was ist mit deinen Freunden passiert?" "Ich hatte nie welche. Ich bin ein Werwolf. Normale Menschen rennen weg oder versuchen mich zu töten wenn sie mich in dieser Gestalt sehen." "Warte mal. Heisst das, du kannst auch als.. naja.. 'Mensch' rumlaufen?" "Könnte ich, ja." "Und warum sitzt du dann als Werwolf vor mir?" "Sofern du keine Frauenkleidung dabei hast, werde ich diese Gestalt bevorzugen, falls du nichts dagegen hast", antwortet sie mir mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Zuerst verstehe ich diese Anspielung nicht, doch dann wird es mir schlagartig klar. "Ist etwas nervig dauernd neue Kleider zu besorgen, weisst du?" "Kann ich mir vorstellen. Wenn du wirklich vor hast, diese Hexe zu finden und zu töten, würde es dir was ausmachen, wenn ich dir Helfe?" "Wieso solltest du das tun?" "Wieso sollte ich einen Werwolf befreien der mir dabei fast die Schulter zerreisst?" "Ach ja.. tut mir leid. Hoffe die Wunde ist nicht zu tief." "Nee alles in Ordnung." "Und? Warum hast du mich befreit?" "Weil auch ich kein Mörder bin. Im Endeffekt hast du uns ja eigentlich gar nichts getan. Als wir dich auf der Matratze fanden, hast du den Eindruck gemacht, als ob du Angst hättest." "Ich hatte und habe noch immer Angst. Aber es war die einzige Möglichkeit, damit ich da raus komme. Indem Jemand die Türen öffnet." "Wieso hast du denn immernoch angst?" "Weil ich nicht ganz so scharf darauf bin, deinem nicht Kumpel zu begegnen. Ich denke nicht dass.." "Redet ihr etwa über mich?" Zeitgleich zucken Sabritt und ich vor Schreck zusammen und drehen uns um. Chris hatte sich uns unbemerkt genähert und steht nun mit einem grossen Jagdmesser vor uns.

Der Kampf (Kevin)
"Ich hatte dich doch gewarnt! Oder etwa nicht?" "Chris! Lass sie in Ruhe! Sie hat dir nichts getan!" "Halte du dich da raus, du Held! Lass mich das Versäumte nun nachholen!" Ich kann nicht anderst und stelle mich vor Sabritt und breite dabei meine Arme vor ihr aus. "Nur über meine Leiche!", brülle ich Chris entgegen. Mein Herz schlägt wie wild als Chris mich anfunkelt und schreit: "Dann soll es so sein!" Er stürmt nach vorn, fest entschlossen mich aus dem Weg zu räumen. Gerade als ich nach seinem Arm greifen will, höre ich von Sabritt ein lautes Knurren. Sie packt mich an den Schultern und katapultiert mich zur Seite. Schnell verliere ich das Gleichgewicht und stürze zu boden. Chris holt aus und trifft Sabritt mit voller Wucht an der Schulter. Lächelt sie etwa?! Ein kleines Blitzen in ihren Auge sehe ich, bevor sie vornüber auf alle Viere fällt. Ihr Atem geht schnell und schwer. Ich springe auf, "Neiiin! Was hast du nur getan Chris!", eile zu Sabritt und zieh ihr mit einem kräftigen Ruck das Jagdmesser aus der Schulter. "Danke.. Kevin.. Aber, es ist.. besser so.. endlich.. danke.. Chris.." Hat sie sich gerade bei Chris bedankt? Meine Gedanken spielen verrückt und die Wut welche mir das Blut in den Adern kochen lässt, sammelt sich in meinem Herzen an. Ich lasse das Jagdmesser fallen, stürze nach vorne und lass meine Faust in das Gesicht von Chris krachen. Jauchzend geht dieser sofort zu boden. "Du verdammtes Arschloch! Wie kannst du es nur wagen, hier aufzutauchen und einfach auf sie los zu gehen?! Niemand gibt dir das Recht zu entscheiden, ob sie es verdient hat zu sterben!" Chris kniet auf dem Boden und hält seine Nase fest. Zwischen seinen Fingen tröpfelt etwas Blut hervor. Der Schlag hat gesessen. Die Wut kocht immernoch in mir. "Sie war ein Monster!", brüllt mich Chris an. "Und Monster gehören nicht auf diese Welt! Sie gehören getötet, bevor sie selber töten!" "Du bist ein totaler Vollidiot! Sie hat doch gar niemanden getötet, ausser ein paar Ratten um zu überleben!" "Was weisst du schon? Sie hatte schon ein paar Menschen auf dem Gewissen!" Weint er etwa? Weint er wegen den Schmerzen von seiner Nase, oder etwa...? "Chris? Kanntest du Sabritt schon vorher..?" "Jah! Verdammt nochmal, JA!" "Woher? Rede!" Ich bück mich kurz und hebe das Jagdmesser auf, um bedrohlicher auf ihn zu wirken. "Ich bin ein Waisenkind, okay? Sabritt hat vor vielen Jahren meine gesamte Familie abgeschlachtet!" "Woher weisst du dass es Sabritt war?" "Wie viele Werwölfe kennst du denn?" "Bis vor ein paar Stunden, wusste ich nicht einmal, dass sie existieren, und ich gehe jede Wette ein, du warst dir dessen auch nicht ganz sicher!" "Ja richtig! Ich habe mir all die Jahre eingeredet, dass es ein Wolf war! Aber als wir Sabritt gefunden haben, wurde es mir klar.. Und ich konnte mich nun endlich rächen.." "Los! Hau ab! Bevor ich dieses Jagdmesser auch noch gebrauche! Du wusstest nicht mit Sicherheit ob es Sabritt war, und trotzdem warst du zu dieser kaltblütigen Tat fähig! Verschwinde, bevor ich deine Tat dir gegenüber wiederhole!" Meine Wut lässt noch immer nicht nach. Wenn ich das Geschehene vor meinem innere Auge abspiele, werde ich nur immer noch wütender. Meine Augen funkeln vor Zorn und ich beisse mir verzweifelt auf die Zähne, um meine Drohnung nicht wirklich wahr machen zu müssen. Chris blickt mich genervt an. Irgendwas möchte er wohl gerne sagen, jedoch entscheidet er sich anderst, schluckt die Worte runter, dreht sich um, und geht davon. Als er nicht mehr in Sicht ist, lass ich das Messer fallen. Mein Blick wandert auf den Boden und meine Augen werden feucht. Wieso musste er das tun? Wieso konnte er nicht zuerst mit ihr reden? Warum laufen nur so viele Arschlöcher durch die Gegend? Langsam drehe ich mich um und mein Blick wandert über Sabritt. Das Fell noch immer völlig zerzaust. Das frische Blut funkelt in der Sonne und fliesst unbeirrt weiter aus der Wunde. Sie wirkt so friedlich. Als würde sie ein Nickerchen machen... Ob ich sie bis zu mir nach Hause bekomme, ohne dass mich jemand sieht? Ach.. scheiss drauf.. Ich hebe sie hoch und mach mich auf den Weg nach Hause. Durch den Wald und über den Friedhof bin ich schnell, doch wiegt Sabritt mehr, als sie den Anschein macht. Das Blut tropft über den Boden und hinterlässt eine Blutspur. Verdammt.. Ich lege sie ab, zieh meine Jacke aus und binde die Ärmel davon um ihre Schulter. Das sollte vorerst halten und keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Kaum verlasse ich den Friedhof, läuft eine Passantin an mir vorbei und sieht mich stirnrunzelnd an. "Was genau trägst du denn da? Deinen Hund?", fragt sie mich verblüfft. "Ich.. ähm.. Nein. Das ist ein Theaterrequisit." "Wow, sieht total echt aus. Um was geht es denn in diesem Theater?" "Ähm.. tut mir leid. Aber das Requisit ist schwerer als es aussieht. Ich muss weiter sonst fallen mir noch die Arme ab." "Ach alles klar! Schönen Tag noch." Phu.. das war knapp. Aber eine sehr gute Ausrede für neugierige Nasen. Der Weg bis zu mir gestaltet sich schwieriger als ich am Anfang dachte. Viele sehen mich verwundert an, ich muss immer mal wieder eine kurze Pause einlegen und es sprechen mich mehr an als gedacht. Doch nach grosser Mühe, komme ich endlich an meiner Wohnung an, und zu meinem Glück lebe ich im ersten Stock. Nachdem ich es geschafft habe, die Eingangstür und meine Wohnung aufzusperren, mache ich mich auf den Weg ins Badezimmer. Sanft lege ich sie in die Badewanne. Ich verzieh mich kurz in mein Schlafzimmer und suche in meinem Schrank nach sauberen Klamotten. Die an meinem Leib sind mittlerweile komplett in Blut getränkt. Der primitive Verband half nicht viel, jedoch genug dass es niemand bemerkt hat. Ich gehe zurück ins Badezimmer, löse den Verband von ihrer Wunde und bemerke, dass wenigstens kein frisches Blut mehr hinaus gepumpt wird. Die Wunde ist total verkrustet. Langsam dreh ich das Wasser auf und teste mit meiner Hand, ob es auch wenigstens etwas warm ist. Wenn ich sie schon beerdigen muss, dann bestimmt nicht in diesem Zustand.. Vorsichtig lass ich das Wasser über ihren ganzen Körper fliessen, um das ganze verkrustete Blut zu lösen. Die ganze Prozedur dauert jedoch eine Weile...

Nachdem ich es endlich geschafft habe, Sabritt komplett zu säubern, fliesst endlich wieder klares Wasser aus ihrem Fell. Anfangs war es rot, dann schwarz und gegen Ende wurde es dann klarer. Ich lasse das Wasser ablaufen, schnappe mir ein grosses Badetuch aus dem Schrank und wickel es um ihren Körper. Vorsichtig hebe ich sie aus der Badewanne, als mir etwas auffällt.. Die Wunde war doch blutverkrustet? Jetzt da ich sie gebadet habe, ist die Kruste weg.. Die Wunde jedoch auch. Hat sie sich wieder selbst geheilt? Geht denn sowas wenn man eigentlich tod ist? Ich trage sie ins Schlafzimmer und lege sie auf meinem Bett ab. Ich zieh noch kurz die Bettdecke über ihren Körper und mach mich dann auf den Weg in die Küche. Mein Magen knurrt schon den ganzen Morgen.. Ich werde mal etwas essen und schau dann weiter..

Der Kampf (Sabritt)
Na endlich..
"Ich hatte dich doch gewarnt! Oder etwa nicht?" "Chris! Lass sie in Ruhe! Sie hat dir nichts getan!" "Halte du dich da raus, du Held! Lass mich das Versäumte nun nachholen!" Kevin stellt sich schützend vor mich und breitet dabei seine Arme aus. "Nur über meine Leiche!", brüllt er Chris an. Leicht verwirrt wandert mein Blick von Chris zu Kevin, als Chris den Arm hebt und schreit: "Dann soll es so sein!" Er stürmt nach vorne, fest entschlossen, Kevin aus dem Weg zu räumen, um danach mir das Leben zu nehmen. Ein lautes Knurren entflieht meiner Kehle, als ich Kevin packe und zur Seite werfe. Er stolpert und fällt zu boden. Chris noch immer mit Schwung, holt mit dem Jagdmesser aus und rammt es mir in die Schulter. Warmes Blut strömt aus der tiefen Wunde und die Schmerzen lassen mich zusammensacken. Mit den Händen stütze ich mich ab um nicht komplett auf den Boden zu krachen. Mein Atmen geht schnell jedoch unregelmässig. "Neiiin! Was hast du getan Chris!" Kevin springt hoch und eilt zu mir. Mit einem Ruck zieht er mir das Jagdmesser aus der Schulter. Der zusätzliche Schmerz, welcher mir dabei durch den ganzen Körper zuckt, lähmt mir sämtliche Nerven. Na endlich... "Danke.. Kevin.. Aber, es ist.. besser so.. endlich.. danke.. Chris.." Das letzte was ich noch hervorbringe. Mein Körper gibt auf und sackt zusammen. Ich spüre nicht einmal den Aufprall mit dem Boden, es wird einfach plötzlich alles Schwarz und Friedlich...

Wo bin ich hier? Um mich herum ist alles schwarz. Mein Blick wandert nach oben, irgendwas fällt auf mich herunter. Sanft fällt es mir auf die Schnauze und bleibt dort liegen. Schnee? Innerhalb weniger Sekunden fallen immer mehr Flocken auf den Boden und in kürzester Zeit ist der Boden komplett mit Schnee bedeckt. Kalt ist es nicht.. Wieso empfinde ich keine Kälte? Ich gehe durch den Schnee und dabei fällt mir etwas auf.. Ich hinterlasse keine Fussspuren.. Sabritt... Ich höre eine leise und sanfte Stimme.. "Wer ist da?" Du musst kämpfen.. "Kämpfen? Gegen wen?" Kämpfe um das Überleben. "Wieso sollte ich das tun? Ich habe doch endlich was wollte!" Du musst kämpfen.. "Ich will aber nicht! Nie wieder! Wozu? Wofür? Es gibt nichts wofür sich das lohnen würde!" Du musst weiter kämpfen.. Sagtest du doch gerade.. "Ich will nicht!" Du musst kämpfen.. Rede ich hier etwa gegen eine Wand oder was? Langsam werde ich etwas wütend. "Vergiss es! Ich bin endlich tod! Mehr wollte ich doch gar nicht! Endlich meine Ruhe.. es vermisst mich doch sowieso keiner! Für wen soll ich also diesen Kampf weiter bestreiten?" Kämpfe... Der Schnee fängt plötzlich an zu leuchten. Immer heller und heller bis ich nichts mehr sehe. Es blendet mich so sehr, dass ich die Augen zusammen kneife. Als ich sie wieder öffne, befinde ich mich wieder im Wald vor der Hütte. Mein Blick wandert nach unten. Kevin..? Kevin steht neben mir. Mein Körper liegt leblos daneben. Er hält das Jagdmesser in der Hand und lässt es sogleich wieder fallen. Er weint.. etwa.. wegen mir? Abermals wird plötzlich alles grell. Ich schliesse die Augen für einen kurzen Moment und öffne sie wieder. Es schneit.. Kevin weint um mich? Warum? Wieso sollte jemand Tränen an mich verschwenden? Mein Tod war das, was ich immer wollte. Niemand kennt mich, keiner vermisst mich. Es gibt niemanden dem ich Wichtig genug wäre. Und doch.. steht er bei mir und weint.. Was soll das Ganze? Was kann ich denn schon ausrichten wenn ich lebe? Mir ist doch gar nicht mehr zu helfen.. Kämpfe.. das ganze Leben ist ein Kampf.. "Als ob ich das nicht wüsste du Sackgesicht! Ich kämpfe schon mein Leben lang! Und was hat es mir gebracht? Nichts als Schmerzen, Enttäuschungen und Einsamkeit! Ich habe es satt! Ich möchte dieses Leben nicht weiter führen! Es endet sowieso in einer Sackgasse!", brülle ich die Stimme an, um meiner Wut und Trauer etwas Luft zu machen. Und dann höre ich nur noch ein Wort von dieser seltsamen Stimme: Vertraue.. "Wem soll ich denn Vertrauen? Bisher hat mir Vertrauen auch nie mehr gebracht als Enttäuschungen!" Doch die Antwort bleibt aus. Stille.. Was nun..? Soll ich das wirklich tun..? Ich will doch eigentlich gar nicht mehr.. Ich habe mir damals geschworen, nie wieder um mein Leben zu kämpfen.. Wieso kann ich nicht endlich meine Ruhe bekommen? Habe ich es denn nicht nach all diesen Kämpfen verdient? Ich habe mein ganzes Leben, für jeden und für alles kämpfen müssen, und trotzdem wurde ich in die Einsamkeit verbannt, und es hat mich nicht einmal eine Seele gesucht oder vermisst.. Verdammt... "Na gut! Ich gebe auf.. Ich werde kämpfen.. Auch wenn ich keinen Sinn dahinter sehe.. Ich werde mich auf meinen Instinkt verlassen.. ich werde.. vertrauen.. " Ein leises Pfeifen dring mir an die Ohren, es wird immer lauter und höher. Es Schmerzt und ich halte mir die Ohren zu. "Hör auf damit!" Ich kippe um und abermals wird alles Schwarz...

Ich schrecke hoch.. Ich liege.. weich? Ich blicke umher und stelle fest, dass ich in einem Bett liege, zugedeckt. Mein Fell ist komplett sauber und mir steigt ein süsser Shampoogeruch in die Nase. Mein Kopf brummt etwas als ich mich aufsetz und aus dem Bett aufstehe. Ich höre das Geräusch von einem Fernseher und tapse vorsichtig in diese Richtung. Kevin sitzt auf einem Sofa und blickt mich verwundert an. "Sabritt..? Du.. lebst?" Eigentlich wäre ich das lieber nicht.. "Ja Kevin.. Es scheint wohl so zu sein. Wo bin ich?" "Bei mir zu hause. Ich wusste nicht wo ich dich sonst hinbringen sollte." "Wie wäre es das nächste Mal mit einem Leichenschauhaus?" Bei diesem Gedanken muss ich sogar leicht grinsen. Auch Kevin schmunzelt ein wenig. "Wie geht es dir Sabritt?" "Mir brummt etwas der Schädel, ansonsten geht es soweit. Was habe ich hier verpasst?" "Eigentlich nicht viel ausser ein paar Folgen." "Folgen von was?" Mein Blick wandert auf den Fernseher. Ist das..? "Dexter." "Kenne ich schon alles. Wie lange war ich denn weg?" Kevin grinst mich breit an. "Ach, nur so 10 Stunden." "Na toll. Und hast du eine Ahnung, warum Chris das getan hat?" Sein Blick richtet sich auf den Boden als er entwortet: "Ja. Er war der Meinung, du hättest vor einigen Jahren seine Familie ermordert." "Ich? Ich habe noch nie einen Menschen getötet!" "Das dachte ich mir schon. Am Besten wir suchen ihn und klären das!" "Bist du dir sicher? Weisst du denn überhaupt, wie wir ihn finden können?" "Nein nicht wirklich. Aber ich weiss wo er immer gerne hingeht. Vielleicht finden wir ein paar Leute, welche uns helfen können?" "Ja klar, weil es auch so unauffällig ist, als Werwolf durch die Stadt zu laufen, oder?" "Ach ja.. da war was.." "Ich bezweifle dass du Frauenkleider in deinem Schrank hast, ansonsten könnte ich mich zurück verwandeln. Aber nackt möchte ich nicht wirklich rumlaufen." Kevin grinst noch breiter. Ich nehme an er stellt sich das gerade bildlich vor. Er blickt mich an, steht auf und läuft an mir vorbei. Nach kurzer Zeit kommt er zurück und hält ein paar Kleidungsstücke in den Händen. Einen schwarzen BH, schwarze Hosen, Unterhose, Socken und sogar ein schwarzes T-Shirt mit einem Bandlogo, welches ich kenne. Eisregen? "Wo hast du denn die Klamotten her?" "Lange Geschichte, erzähle ich dir irgendwann mal. Hier zieh an und wir können los." Ich nehme die Kleidung an mich und verzieh mich damit in das Schlafzimmer.

Das Wiedersehen (Sabritt)
Ich schliesse die Tür von innen und lege die Kleidung auf das Bett. Langsam schliesse ich die Augen. Ruhe kehrt ein. Das Adrenalin verflüchtigt sich und die Adern beruhigen sich. Die Kraft lässt nach. Als ich meine Augen wieder öffne, seh ich alles erst mit verschwommenen Blick. Ich war wohl zu lange in der Wolfsgestalt und muss mich erst wieder ans Mensch-sein gewöhnen. Ich ziehe mir die Keidung über und zupfe meine langen, schwarzen Haare aus dem Shirt hinaus. Ich dreh mich um und werf einen Blick in den Spiegel welcher am Kleiderschrank hängt. Vorsichtig mustere ich mich selbst. Ich fühle mich... klein.. schwach.. und vorallem.. nicht wohl in meiner Haut. Irgend etwas hat sich verändert. Ich wende mich ab und kehre ins Wohnzimmer zu Kevin zurück. Als ich unter der Tür steh, wendet er den Blick vom Fernseher ab und blickt mich an.. Was ist denn jetzt kaputt..? Seine Augen weiten sich. Sein Mund steht offen. Er wirkt wie erstarrt. "Natalie..?" Mein Blick verfinstert sich blitzschnell. Wütend zische ich ihn an: "Nenne mich nie wieder bei meinem Namen! Ich kann das..." Moment mal... "Woher kennst du meinen richtigen Namen..?" Noch immer versteinert steht er langsam auf. Seine Augen werden feucht und er starrt mich nur weiter an. Noch mehr Tränen bilden sich und kullern ihm die Wangen herunter. "Was...", bevor ich den Satz beendet kann, eilt er zu mir, nimmt mich in den Arm und umklammert mich so fest, dass ich fast keine Luft mehr bekomme. Ich verstehe die Welt nicht mehr.. Kennt er mich..? Kenne... ich ihn..? Ich versuche mich zu erinnern.. doch da ist nichts.. "Was ist denn mit dir los..? Du machst mir irgendwie angst.." Er lässt mich los, geht einen Schritt zurück und mustert mich von oben bis unten. Noch immer kullern ihm die Tränen herunter. Mit dem Ärmel wischt er Einige davon weg bevor er das Wort ergreift: "Natalie.. Du weisst nicht mehr wer ich bin.. stimmts?" Ich senke den Blick auf den Boden. "Nein... tut mir leid.." "Das muss dir nicht leid tun.. Ich dachte nur.. ich hätte dich für immer verloren.." "Ich verstehe gerade die Welt nicht mehr.. woher kennst du mich..?" Meine Gedanken rasen und drehen sich im Kreis. Plötzlich dämmert es mir.. Mein Blick erstarrt, mein Körper versteinert, als mir plötzlich das Erlebnis durch den Kopf donnert..

Es ist ein paar Jahre her. Der Unfall.. Ich war damals noch sehr jung. Kevin.. Er war damals mein bester und einziger Freund. Wir waren zusammen auf einer alten Ruine im Wald. Wir tranken Alkohol.. viel Alkohol. Wir hatten Spass, haben gelacht, unsinn getrieben und einfach das Leben genossen. In dieser Nacht geschah es. Wir legten uns unter den Sternenhimmel. Er schlief im Rausch sehr schnell ein und ich träumte noch eine Weile vor mich hin, den Blick in den Sternen. Irgend etwas hörte ich im Wald rascheln. Ich dachte mir nichts dabei und habe weiter die Sterne beobachtet. Das Rascheln und Knacken wurde immer lauter, aus welchem Grund ich mich am Ende aufsetzte. Kevin schlief, ich wollte ihn nicht wecken wegen irgend einem Reh oder Fuchs.. Was auch immer es alles sein konnte. Neugierig wie ich bin, stand ich auf und sah nach. Ich spürte den Blick auf mir. Als ich mich dem Geräusch näherte, sah ich nurnoch ein mächtiges Gebiss, schneeweisse Zähne, welche auf mich zuschnellten. Der Schmerz durchzuckte meinen gesamten Körper und schnell wurde alles schwarz.. Als ich wieder erwachte, lag ich im Krankenhaus. Die Ärzte meinten, es sei ein wildes Tier gewesen. Die Wunde war infiziert und verheilte nicht. Von Tag zu tag ging es mir schlechter. Ich bekam Fieber und meine Organe versagten nach und nach. Irgendwann war es so schlimm, dass ich nichts mehr essen konnte. Mein Magen verkraftete nichts mehr und ich übergab mich immer sofort wenn ich etwas zu mir nahm. Kevin und meine Eltern waren die einzigen Menschen, welche mich besuchten. Welche an mich glaubten und sie waren die einzigen, welche sich um mich Sorgten. Irgendwann wurde es mir zu viel. Ich kannte damals so viele Menschen, hatte viel Vertrauen und mochte fast Jeden. Und nun? Ich werde sterben.. und es kümmerte nur Kevin und meine Eltern.. Ich war den Menschen in meinem Umfeld egal geworden. Ich wurde auf der Station komplett isoliert: Ansteckungsgefahr.. So verbrachte ich Wochen der Einsamkeit..
Niemand mochte mich wirklich..
Niemanden kümmerte es..
Niemandem war ich etwas Wert..
Und niemand würde mich vermissen...
Niemand.. ausser diesen drei Menschen.. Ich ertrug es nicht mehr.. Ich habe es nicht mehr ertragen, diese Menschen leiden zu sehen.. Ich wollte nicht dauernd daran erinnert werden, dass ich den Menschen in meinem Umfeld eigentlich egal war.. Ich habe mein Leben lang gekämpft.. Was hatte es mir gebracht..? Nichts.. Ich werde sterben.. und ausser Kevin, ist es jedem egal, der mir etwas Wert war.. Dies ist so und wird sich niemals ändern..Ich wollte weg.. ich wollte sterben.. Für mich hatte das Leben an Bedeutung verloren. Was ist ein Leben wert, in welchem man um alles kämpfen muss und dabei doch nichts erreicht? Was ist mein Leben wert? Für mich war es nichts mehr wert.. Ich beschloss aus dem Krankenhaus zu fliehen. Dies tat ich dann auch. Ich flüchtete in den Wald, um in Ruhe sterben zu können. Einsam.. was ich fast immer war.. Ich legte mich auf den feuchten Boden, blickte noch ein letztes Mal zu den Sternen und schloss dann die Augen. Mein Körper sackte in sich zusammen. Die Kraft verliess mich nach und nach. Mein Puls verlangsamte sich und versagte schliesslich...


Das alles ist Jahre her.. Das alles war der Grund, wie ich zu dem Monster geworden bin, das ich heute bin. Ich erinnere mich wieder.. "Ich.. erinnere.. mich.. wieder..", stottere ich vor mich hin. Nun kullern auch mir die Tränen herunter. Der Schmerz den ich in meinem Herz verspüre droht mich zu zerreissen.. "Wo warst du nur?! Warum bist du geflohen?! Wie kann es sein, dass du diesen Unfall doch noch überlebt hast?! Wo warst du nur all die Jahre..." "Ich weiss.. es nicht.. Kevin.. es tut mir so leid.. aber ich erinnere mich nicht an alles.. Ich weiss nur, dass ich endlich sterben wollte. Für mich hatte das Leben geendet und ich ertrug deinen Gesichtsausdruck nicht mehr, wenn du mich im Krankenhaus besuchen gekommen bist.." "Ich habe lange nach dir gesucht.. Doch es gab keinen Hinweis auf dich.. Die Polizei hörte irgendwann auf zu suchen.. und irgendwann gab ich dann auch auf.." "Ich.. erinnere mich nicht.. was geschah. Nur dass ich aus dem Krankenhaus in den Wald floh.. Mir wurde irgendwann schwarz vor Augen. Ich fand meinen Frieden. Was danach kam.. Ich weiss es nicht.. Nur die Zeit kurz bevor mich Tyra gefangen nahm.. Es ist alles so.. verschwommen.." Ich versuche mich zusammen zu reissen. Vielleicht kommt irgendwann die Erinnerung zurück.. War es Kevin, wesswegen ich weiter kämpfen sollte? Um was mich die Stimme gebeten hatte? Sollte ich weiterhin mein Vertrauen in Kevin setzen? Naja in wen sonst.. Ausser ihm gibt es keinen Menschen den es ersthaft interessiert, wie es mir geht oder was mit mir passiert.. Kevin wischt sich nochmal kurz mit dem Ärmel übers Gesicht um die letzten Tränen fort zu wischen. Er ballt die Fäuste und mit entschlossener Stimme sagt er schliesslich: "Lass uns das tun, was wir vor hatten! Wir suchen Chris und klären das Ganze auf! Und danach werden wir Tyra jagen! Nun bin ich noch entschlossener dir zu helfen!" Eine letzte Träne rinnt mir aus dem Augenwinkel. Ich lächle Kevin frech an: "Auf gehts!"

Machtspiele (Sabritt)
Es ist seltsam wieder als Mensch in den Gassen der Stadt unterwegs zu sein. Ich werde hier und dort etwas seltsam angesehen. Verständlich wenn ich so an mir runterschau. Notkleidung. Naja, immerhin ein Metalshirt und die Kleidung ist schwarz. So richtig wohl fühle ich mich dennoch nicht in den Klamotten. Oder liegt es wohl eher daran, dass ich nicht mehr ein Mensch sein will?
Wir sind auf dem Weg zu einer Kneipe, in welcher, wie Kevin meinte, sich Chris fast jeden Abend aufhält. Er spielt dort Billard und wettet gerne auf den Ausgang des Spiels. Die Einsätze sind meist sehr hoch, jedoch gewinnt er auch so gut wie jedes mal. "Da, die Bar ist es", kommentiert Kevin als wir uns einer lauten Kneipe nähern. Er bleibt jedoch stehen. "Was ist denn los?" "Ich weiss nicht so recht. Ich habe ein ungutes Gefühl Sabritt. Ich glaube wir sollten heute diese Kneipe meiden." "Das bildest du dir ein. Komm schon, ich habe sowieso mal wieder Lust auf ein richtiges Bier nach all den Jahren!", erwidere ich grinsend. Ohja.. Ein kühles Bier. Das wäre jetzt wirklich perfekt. Widerwillig folgt er mir, als ich die Tür zur Kneipe öffne. Vorsichtig wage ich mich hinein. Niemand bemerkt mich. Ja klar, ich bin ja auch nicht in meiner Wolfsgestalt. Ansonsten würde wohl Panik ausbrechen. Beim Gedanke an dieses Szenario, muss ich sofort grinsen. Einen freien Tisch finden wir schnell und es dauert auch nicht sehr lange, bis sich eine Angestellte zu uns stellt und unsere Bestellung aufnimmt. Kevin blickt durch den Raum, wohl auf der Suche nach Chris. Er scheint sich nicht wohl zu fühlen und rutscht auf seinem Stuhl dauernd hin und her. "Jetzt beruhige dich doch erst mal. Ein bisschen Alkohol wie früher und dann kehrt die Ruhe ein. Wir geniessen jetzt zuerst mal unser Bier und dann schauen wir wegen Chris. Vielleicht ist er heute ja auch gar nicht hier." "Er ist fast immer hier. Es würde mich wundern, wenn er heute auf das Geld verzichten würde. Es ist Samstag, mehr ahnungslose Trottel gibt es hier sonst nicht welche mit Geld wetten." Naja wo er recht hat. Nach kurzer Zeit kommt auch schon die Bedienung angedackelt mit unserem Bier. Hohe Schuhe.. Ich habe nie verstanden wie Frauen damit rumlaufen können, oder warum sie es überhaupt tun. Sie sieht jedoch sehr hübsch aus. Ich schnappe mir mein Bier, hebe es hoch und streck es Kevin hin. "Auf das Leben, würde ich sagen." Kevin hebt sein Bier ebenfalls und stösst es gegen meines, so dass ein leises Klirren zu vernehmen ist. "Prost!", rufe ich und trick einen grossen Schluck. Wow ist das herrlich. Das habe ich so vermisst. Zeitgleich geht mir gerade durch den Kopf, wie es wohl ist, in der Wolfsgestalt betrunken zu sein. Ich schüttel den Gedanken aber auch sofort wieder ab, dies wäre nämlich sicher keine gute Idee, es auszuprobieren. "Ich muss mal kurz auf Klo", spricht Kevin. Er steht auf und eilt in Richtung der Toiletten. Der hat es aber eilig. Schwirrt es mir durch den Kopf. Ich lausche der Musik welche aus den Boxen dröhnt. Nicht gerade mein Stil. Scheint wohl Radio zu sein. Langsam lasse ich meinen Blick durch die Menschenmenge streifen, als ich bemerke.. Wieso glotzt der mich so an? Ein gross gebauter Kerl grinst mich an. Kurze Haare, gut gebaut und muskulös. Er trägt ein blaues Shirt, schwarze Hosen und weisse Turnschuhe. Hat der denn keinen Spiegel zuhause oder was? Der ist ja mal so gar nicht mein Typ.. Ich habe auch nie verstanden, warum Frauen so sehr auf Muskelpakete stehen. Was will man denn damit? Da liegt man ja auf Stein.. Ich scheine so ganz allgemein irgendwie vieles nicht zu verstehen was ein normales Mädchen mag oder ausmacht. Normal war ich ja sowieso noch nie.. Es dauert nicht lange, als der Kerl plötzlich neben mir am Tisch steht. Oh bitte nicht.. "Na du schwarzer Engel? Wieso sitzt du denn hier so alleine?" Na toll. Einer von den 0815 Kerlen mit Sprüchen die billiger sind als seine Kleidung. "Ich habe auf dich gewartet, was glaubst du denn?", erwidere ich mit einem sarkastischen Lächeln. Er setzt sich auf den Stuhl von Kevin und lächelt mich begeistert an. Fuck.. "Das gehört sich aber nicht, dass so eine hübsche Frau, so alleine hier rumsitzt. Hast du nicht Lust mit mir und meinen Freunden etwas zu trinken und spass zu haben?" Ich kotz gleich über den ganzen Tisch.. "Versuch dein Glück lieber bei den billigen Tussen die mehr Schminke im Gesicht haben, als Hirnzellen im Kopf." "Du kannst mich mal! Blöde Kuh.." Endlich steht er auf und stampft genervt zu seinen Freunden zurück. Sie quatschen irgendwas und Blicken andauernd in meine Richtung. Von solchen Kerlen gibt es leider zu viele. Langsam drückt auch mir die Blase. Kevin ist noch immer nicht zurück. Ich entschliesse mich trotzdem kurz die Toilette aufzusuchen. Ein grosser Schluck aus meinem Bierglas damit es leer wird. Ich steh auf und geh in Richtung der Toiletten. Leer.. Ansonsten stehen die Weiber doch immer Schlange? Ich schlüpf in die erste Kabine, öffne meine Hose und zieh diese und die Unterhose zusammen herunter. Viel besser als irgend eine dunkle Ecke oder der Wald.. Ich wisch mich an, zieh mich wieder an und öffne die Tür. Plötzlich trifft mich der Schlag. "Du dämliche Gans hast wohl gedacht, du kannst so mit mir reden, was? Dir werde ich Manieren beibringen!" Der Trottel von vorhin.. mit einem Freund als Begleitschutz oder was? Er packt mich am Kragen und schiebt mich zurück in die Kabine, sein Kumpel folgt uns und schliesst die Tür von innen ab. "Schrei einmal und ich schwöre dir, dass du diesen Raum nicht lebendig verlassen wirst!" Mein Puls rast. Meine Augen weiten sich, als ich plötzlich seine Hand auf meiner Hose spüre. Mit der rechten Hand drückt er mich gegen die Wand, mit der Linken öffnet er meine Hose und schiebt diese nach unten. Bitte... nicht... schiesst es mir durch den Kopf. Ich spüre meinen Herzschlag rasen. Die Kraft kehrt zurück. Mein ganzer Körper zittert und meine Hände ballen sich zu Fäusten. Ich versuche es zu unterdrücken. Ich spüre das Adrenalin. Wie Kohlensäure und Blitzschläge pulsiert es mir durch den ganzen Körper. Die Energie breitet sich blitzschnell in meinem Kreislauf aus. Als ich sehe dass er sich die Hose und Shorts herunterzieht und spüre, wie er sich mit seinem Ständer gegen mich presst, kann ich es nicht mehr unterdrücken. Ich schreie - Brülle - Knurre! Erschrocken lässt er mich plötzlich los. Meine Kleider reissen und hängen nun in Fetzen von mir herunter. Er blickt nach oben - mir in die Augen. Die Augen der Beiden füllen sich mit Angst, gerade als sie sich umdrehen wollen um zu fliehen, packe ich sie Beide an den Schultern. Was für ein Hochgefühl den Spiess der Todesangst umzudrehen! Ich drücke sie zu boden. Seinem Freund zerfetze ich mit meinen Zähnen den Hals. Das Blut schiesst aus der aufgerissenen Arterie und taucht die Kabine in ein herrliches Rot. Der Andere versucht sich zu wehren und aufzustehen. Rutscht jedoch mit seiner Hand dauernd auf dem Blut von seinem Freund aus. Er möchte schreien, scheint jedoch vor Angst gelähmt zu sein. Ich packe ihn am Hals und drücke zu. "Du elender Mistkerl! Du glaubst ihr könnt mit den Frauen tun was immer ihr gerade wollt! Wir sind keine Objekte und schon gar kein Sexspielzeug das ich gebrauchen und wegwerfen könnt, wie es euch gerade passt!", knurre ich ihn mit rauer Stimme an. Mit meinen Krallen zerreisse ich sein Shirt und versenke sie langsam in seiner Brust. Tränen bahnen sich den Weg über seine Wangen und tropfen zu boden. Schreien kann er ja nicht, dafür sorgt der Würgegriff. Machtspiele machen spass. Und der hat es nicht anderst verdient! Die Wut breitet sich aus in mir. Gefährliche Mischung zusammen mit der Kraft und dem Adrenalin in mir. Ich ziehe meine Pfote nach unten, damit sich lange und tiefe Wunden auf seiner Brust ausbreiten. Das Blut fliesst in Strömen heraus und bilden auf dem Boden eine weitere Lache, zusammen mit dem But von seinem Kumpel. Mit zwei Krallen drück ich ihm so lange gegen die Augäpfel, bis ich ein leises 'Plopp' höre und meine Krallen in den Höhlen einsinken. Noch immer versucht er zu schreien. Und zugegeben, ich geniesse das gerade sehr! Mit einer Klaue zerfetze ich ihm die rechte Brustwarze und kratze und grabe immer weiter. Lautes Knacken und Krachen durchhallt die Toilette, als ich ihm ein paat Rippen breche. Nach kurzem weiter graben, bin ich angekommen: Sein Herz! Ich greife danach und reiss es ihm heraus. Du hast es nicht verdient, ein Herz zu besitzen! Es riecht so süss.. Es fühlt sich richtig gut an in meiner Hand. Ich kann nicht widerstehen und tu es.. Ich öffne meinen Kiefer und beisse hinein. Ohh schmeckt das fabelhaft! Besser als Reh und Ratte zusammen. Nach kurzer Zeit ist der Muskel auch schon aufgegessen, als plötzlich die Tür aufgeht. Ich krach gegen die Tür der Kabine um diese zu zerbrechen. Ein junges Mädchen blickt mich an und erstarrt sofort vor Angst. Verdammt!! Sie schreit. Lauthals kreischt sie durch das gesamte Gebäude. Ich flitze auf allen vier Pfoten zum Fenster und springe durch. Das Glas ist dick, aber hält dennoch nicht stand. Sofort zersplittert es und ich flüchte..

Katz und Maus (Kevin)
Musste das heute Abend sein? Ich möchte ihm doch eigentlich gar nicht begegnen. Ich habe Chris gesehen in der Menge. Das Problem ist nur: Er steht da nicht alleine. Seine Freunde waren alle um ihn versammelt. Wie hätte ich da mit Sabritt an meiner Seite bei ihm auftauchen können? Das hätte mächtig Ärger gegeben. Ich beweifle ehrlichgesagt auch, dass Sabritt mit ihrer neuen Form so richtig zurecht kommt. Sollte die Situation ausser Kontrolle geraten, wäre wohl keiner mehr... "AHHHHHH!!!!" Ich werde durch einen Schrei sofort aus meinen Gedanken gerissen. Eine Frauenstimmen. Was zum...? Sabritt!? Schnell eile ich aus der Männertoilette und sehe gerade noch wie ein junges Mädchen mit entsetztem Gesichtsausdruck, rückwärts aus der Frauentoilette stolpert. Die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ihr ganzer Körper zittert und ihre Augen sind mit Tränen gefüllt. Ich spring rüber und werfe einen Blick in den Raum. Oh nein... Meine Augen weiten sich, als ich die zwei toten Burschen auf dem Fussboden liegen sehe. Beide in einer Kabine, ihre Körper zerfetzt und Blutüberströmt. Die gesamte Kabine und der Fussboden darum.. rot.. Als ich etwas genauer hinsehe, erblicke ich das kleine aber feine Detail: Fusspuren im Blut und blutige Fusspuren welche von den Leichen um die Ecke bis zum Fenster an der Wand führen. Die Scheibe ist zersplittert.. irgendwas grosses und Kräftiges muss hindurch gesprungen sein. An den Scherben klebt noch etwas Blut.. Sabritt muss sich beim hinaus springen verletzt haben.. Was ist hier nur geschehen? Schnell eile ich aus der Toilette, durch die Masse von Glotzern welche nur mal etwas sehen wollen. Viele von ihnen kleben bereits an ihren Handys um es weiter zu tratschen oder sie telefonieren aktuell mit der Polizei. Ich muss sie suchen!, ist mein einziger, klarer Gedanke den ich gerade fassen kann, während ich mich weiter durch die Massen dränge und zur Tür hinaus auf die Strasse eile. Ich flitze um das Gebäude herum und finde an der Rückseite die Scherben von dem zertrümmerten Fenster. Ausserdem finde ich weitere blutige Füssabdrücke, welche offensichtlich nicht von einem Menschen stammen. Ich folge ihnen ein paar Strassen weit. Das Blut bleibt ja auch nicht ewig kleben.. irgendwann ist es auf dem Boden "verbraucht". Kurz bleibe ich stehen und dreh mich ein paar mal im Kreis. Wo kann sie nur hingegangen sein? "Sabriiiitt!", schrei ich in die Nacht hinein. Doch der Ruf verbleibt ohne Antwort. Moment mal.. hier in der Nähe ist doch der Friedhof. Vielleicht ist sie zur Hütte zurück gerannt? Ohne noch länger einen Gedanken zu verschwenden an das was sein könnte, mache ich mich auf den Weg dort hin. Schon bald sehe ich den Friedhof in der Nähe. Ein Grollen.. gefolgt von einem Blitzschlag. Ein Gewitter scheint auf zu ziehen. Ich höre auch wie hier und dort ein paar Regentropfen auf dem Boden einschlagen. Mit schnellen Schritten überquere ich den Friedhof, springe über die kleine Mauer und stehe vor der Hütte. Der Regen wird stärker während ich in die Finsternis der kleinen Hütte blicke. "Sabritt? Bist du hier?", abermals keine Reaktion. Wohin könnte sie sonst gegangen sein? Es gibt tausende von Möglichkeiten und vielleicht sehe ich sie nun auch nie wieder.. Mein Herz wird bei diesem Gedanken sehr schwer. "Natalie..", flüstere ich mehr ins Nichts als zu mir selber. Meine Augen füllen sich mit heissen Tränen und rinnen fast sofort über meine Wangen, von wo sie vom Regen weggewaschen werde. Ich stehe wie angewurzelt vor der Hütte und fühle mich wie erstarrt von der Angst und der Verzweiflung. Du warst mein ein und alles.. Ich habe dich damals so sehr geliebt, jedoch nicht den Mut gehabt, es dir zu sagen. Aus Angst, ich könnte dich verlieren. Du wurdest mir durch einen schrecklichen Unfall entrissen und mit dem Glück, welches ich noch immer nicht ganz verstehen kann, habe ich dich wieder gefunden. Und das soll es nun einfach gewesen sein? Du kannst mich doch nicht einfach so schon wieder verlassen.. "Wenn du mich schon trittst, dann schau wenigstens, dass ich am Boden bleibe und nicht mehr aufstehe! Verdammt! Wieso tust du mir das schon wieder an?" "Wieder? Da scheinen wir ja etwas verpasst zu haben." Oh nein bitte nicht... Ich erkenne die Stimme sofort und drehe mich langsam um. Egal was passiert, er kann mir nichts antun, was mir mehr Schmerzen bereiten könnte. "Was willst du hier Chris?" Er ist nicht allein. Zwei Freunde haben ihn begleitet. Aus welchem Grund ist er hier? Und warum nimmt er Freunde mit? Er muss irgendwas vor haben.. "Wo ist sie?", fragt er mit scharfem Ton. "Du hast sie umgebracht mit deinem beschissenen Jagdmesser!" "Erzähl mir doch keinen Scheiss! Das was gerade in der Kneipe passiert ist, war sie! Ich hatte dir doch gesagt sie wird noch jemanden töten! Es ist eine Bestie und kein Mensch! Wann kapierst du das endlich du Arschloch?!" "Sie ist keine Bestie!" "Und warum zur Hölle liegen nun zwei tote Kerle in der Kneipe?" "Die liegen verdammt nochmal in der Mädchentoilette! Hast du dich mal gefragt, was die eigentlich dadrin zu suchen hatten?" "Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Sie hat sie bestimmt verführt und mit dem Versprechen auf einen schnellen Fick dort hinein gelockt um sie zu zerstückeln!" "Das kannst du doch gar nicht wissen! Deine verdammten Annahmen, auf irgendwelchen Mist, geht mir schon ziemlich lange auf den Piss! Und warum schleppst du eigentlich diese zwei Affen mit dir mit? Hast du dich alleine nicht hier her getraut oder was? Gib es doch einfach zu! Sabritt macht dir angst, grosse Angst! Du bist dir wohl nicht gewohnt mal die Maus zu sein und nicht die Katze, und nun willst du die Katze los werden!" "Natürlich will ich die Katze los werden du pisser! Sie tötet Menschen falls dir das noch nicht entgangen ist!" "Das wird seine Gründe haben, da bin ich mir sicher! Hör mal auf immer zuerst zu handeln und erst dann deine Hirnzellen zu verwenden, falls du da überhaupt noch welche hast! Haut ab! Alle drei! Oder ich vergesse mich!" Chris und seine Lackaffen fangen an, laut zu lachen. Meine Wut steigt und unbewusst balle ich meine Fäuste. Das gesamte Adrenalin fliesst in sie hinein, und bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, ist es bereits passiert... Ich mach einen schnellen Sprung nach vorne und ramme ihm meine Fasut geradewegs ins Gesicht. Fast sofort geht er auch zu boden. Blut strömt aus seiner Nase. Er kniet am Boden und jammert irgendwas kaum verständliches. Die beiden Anderen blicken mich verblüfft an. Dann blicken sie zu Chris runter.. wieder zu mir. Nun ballen die Beiden auch ihre Fäuste und machen einen Schritt auf mich zu. Ich bin zu allem bereit und ich werde auch alles akzeptieren was auf mich zu kommen wird. Plötzlich vernehme ich ein sanftes aber schnelles Atmen hinter mir. Die Beiden richten ihren Blick auf etwas hinter mir. Ihre Entschlossenheit, mir sämtliche Knochen im Körper brechen zu wollen, entschwindet fast augenblicklich. Angst steht ihnen nun ins Gesicht geschrieben. Ein tiefes Knurren ist hinter mir zu vernehmen und beide Jungs stolpern rückwärts und machen sich aus dem Staub. Nur Chris sitzt noch jammernd und heulend vor mir auf den Knien. Er scheint das alles wohl gerade nicht mitbekommen zu haben.. Ich muss mich nicht umdrehen um zu wissen, wer da hinter mir steht. Ein riesen Stein fällt mir vom Herzen und meine Augen füllen sich mit Freudentränen...
Sabritt...

Der Duft des Blutes (Sabritt)
Was habe ich nur angerichtet? War das wirklich ich? Musste das wirklich sein? Wenn ich ehrlich bin.. Ja, das war ich und ja, es musste sein! Menschen sind so etwas jämmerliches. Irgendwie bin ich ja froh, dass ich nicht mehr wirklich zu dieser Spezies gehöre. Ich bin das, als was mich jeder sieht: Ein Monster! Und hungrig bin ich noch dazu. Es war ein herrliches Gefühl, meine Klauen in den Sack Fleisch zu schlagen und Wunden zu reissen. Der Duft des Blutes hat mich regelrecht verwandelt.
Schnell hetze ich durch die Stadt. Meine Schulter brennt etwas, ich muss mich an den Glasscherben des Fensters verletzt haben. Aber macht nichts. Das heilt ja sowieso ziemlich schnell wieder. Ich renne von der einen Gasse zur Nächsten. Mal quer über die Strasse, dann wieder zurück in die Gassen und in die Dunkelheit. Ein lauter Knall erweckt meine Aufmerksamkeit. Es ist nicht weit und langsam schleiche ich mich um die nächste Ecke. Ich höre Stimmen und ich rieche... etwas wunderbares. Ich werfe einen Blick herum und sehe wie ein grosser Kerl mit einer Pistole auf jemanden zielt, der vor ihm auf den Knien ist. Es findet ein Wortwechsel statt. "Hast du es oder nicht?", wettert der mit der Pistole. "Nein! Die Zeit war zu knapp, ich habe es nicht geschafft!" "Und was mache ich nun? Weisst du eigentlich wie viel Aufwand es sein wird, dass alles wieder hin zu biegen? Ich sollte dich einfach erschiessen!" "Nein bitte! Gib mir noch eine Woche Zeit! Ich treibe es ganz bestimmt auf!" Ich lasse das Adrenalin sinken. Die Kraft entschwindet und verlässt meinen Körper. Ich steh nun Nackt und als Mensch da. Ich schleiche mich um die Ecke und stelle mich mitten auf die Strasse der Gasse, so, dass mich der Kerl mit der Pistole auf jeden Fall sehen kann. In dem Moment ist ein lautes Donnergrollen zu vernehmen. Es folgt das Niederprasseln des Regens. Meine Haare hängen schwer von meinem Kopf und bedecken meine Brüste. Dies gäbe bestimmt ein wunderbares Foto. Der Kerl mit der Pistole sieht mich an. Er grinst frech. "Na kleine? Hast du dich irgendwie verlaufen und deine Klamotten zu hause vergessen? Komm her und ich wärme dich!" Ich blicke ihn direkt an und lächle sanft. Langsam gehe ich auf die Knie. Seine Augen leuchten und erzählen mir von seinem Kino welches sich zu dieser Zeit in seinem Kopf abspielen muss. Ich lasse das Adrenalin wieder zu. Es pumpt durch meinen gesamten Körper. Durch die Blutandern. Es fühl sich an wie Kohlensäure welches durch meinen Körper schiesst. Als würde ich unter strom stehen. Diese gewaltige Energie! Ich springe nach vorne. Immer und immer wieder. Mein Körper wird grösser. Die Haare schiessen aus jeder Pore heraus. Mein Gebiss wird stärker und meine Krallen schärfer. Als er mich ansieht und endlich kapiert, was aus mir geworden ist, verwandelt sich sein hämisches Grinsen in pure Angst. Das ist es! Genau das rieche ich so gerne! Angst! Ich kann es sehen, spüren und riechen. Immernoch springe ich Satz für Satz auf ihn zu und nach kurzer Zeit bin ich auch schon da. Ich springe hinter den Kerl auf den Knien, mach einen letzten Sprung über seinen Kopf hinweg und lande damit auf der Brust von dem anderen Kerl. Krachend und mit Schmerzensschreie geht er zu boden. Er wagt es nicht, sich zu bewegen. Das Zittern lässt seinen Körper beben. Er scheint wie gelähmt, bis ihm dämmert, dass er im Vorteil sein könnte. Er versucht die Waffe auf mich zu richten, doch ich bin schneller. In dem Moment als er mit dem Arm noch oben schnellt, packe ich sein Handgelenk mit meinen Zähnen. Ich schlage kleine Wunden und Blut rinnt zwischen meinen Zähnen hervor und rinnt ihm den Arm hinab. Er schreit und jammert. Du jämmerlicher Bastard! Dein bescheuertes Grinsen wird nie wieder jemand sehen! Mit einem Ruck spanne ich meine Kiefermuskulatur an und zerfetze damit sein Handgelenk. Das nenne ich mal pure Kraft! Seine Hand habe ich damit abgetrennt, sein Arm fällt ohne sie zu boden und er schreit weiterhin vor Schmerzen. Die Finger der abgetrennten Hand entspannen sich und die Pistole fällt auf seine Brust. Als ich mein Maul öffne, fällt ihm seine Hand ebenfalls auf die Brust. "Hilfeeee!" Doch keiner scheint es zu hören oder es wird einfach ignoriert. Erstaunlich wie Menschen einfach wegsehen und weghören, wenn ihres Gleichen in Gefahr schwebt. Ich öffne noch einmal mein Maul und beisse ihm mitten ins Gesicht. Er zappelt eine Weile und schlägt mit seinem Armstumpf gegen meine Schulter, und mit der Anderen gegen meinen Kopf. Umso mehr er zuschlägt, umso tiefer bohre ich meine Zähne in sein Gesicht. Ich spüre wie schnell das zarte Fleisch nachgibt, höre Knochen und Knorpel splittern. Mit einem Ruck werfe ich den Kopf nach hinten und reiss ihm so die Hälfte von seinem Gesicht weg. Blut strömt aus jeder Pore und vermischt sich mit dem Regen. Ich lasse die eine Hälfte langsam auf den regungslosen Körper fallen und fange an, davon kleine Stücke abzubeissen, zu kauen und runterzuschlucken. Hey, auch ein Monster muss was fressen, oder? Ich fresse noch eine ganze Weile von dem Kadaver, als ich plötzlich das Heulen einer Sirene vernehme. Ich stoppe und blicke auf. Kurz darauf jagd ein Polizeiauto in die Gasse. Es kommt quietschend zum Stehen und zwei Polizisten springen heraus. "Sofort stehen... Was zum..!" Ich springe auf sie zu. Auch sie sind vor lauter Entsetzen wie gelähmt. Sie schaffen es nicht einmal auch nur eine Kugel abzufeuern. Da bin ich schon bereits über ihr Auto gesprungen und in der Dunkelheit verschwunden...

Im Angesicht des Todes (Kevin)
Ich Atme einmal tief ein. Ich bin nicht nur den Prügeln dieser zwei Schläger entkommen, sondern habe auch endlich Sabritt wieder an meiner Seite. Langsam drehe ich mich um und gerade will ich ihr auch um den Hals fallen, als mich der Schock plötzlich lähmt, mir meine gesamte Vorfreude entzieht und diese in pure Angst verwandelt. Vor mir steht nicht Sabritt. Wahrlich ist es ein Werwolf, aber dieser hier ist eindeutig Männlich und einiges grösser als sie. Er knurrt mich an und streckt seine Krallen nach mir aus. Er setzt seinen Fuss einen Schritt nach Vorne und umklammert mein Shirt am Kragen. Seine Stimme ist noch einiges tiefer als die von Sabritt als er zu mir spricht: "Wo ist sie?" Ich zittere am ganzen Körper und meine Stimme versagt immer wieder als ich beginne mit ihm zu sprechen: "W-wo ist w-w-w-wer..?" "Tu' nicht so, als wüsstest du nicht von wem ich rede! Ich habe euer ganzes Gespräch mit angehört! Also, wo ist sie?" Er brüllt mich im scharfem Ton an und sein Mundgeruch stinkt nach faulendem Fleisch. Was er wohl vorhin gefressen hat? Ratten? Einen Hirsch? Oder sogar.. einen Menschen..? "I-ich weiss nicht w-wo ist i-ist. Ich s-suche sie ebenfalls." "Ich muss sie finden! Wo könnte sie hingegangen sein?" "Keine A-ahnung. S-sie war Jahrelang in d-dieser Hütte gefangen. E-eine Hexe hielt sie d-dort fest." "Tyra! Ich werde sie in der Luft zerfetzen wenn ich diese verlogene, kleine Kröte jemals wieder sehe!" "W-warum suchst du denn nach Sabritt?" "Sabritt? So heisst die Werwölfin von welcher dieser Geruch ausgeht?" "Das wusstest du nicht? Du suchst nach jemandem, ohne dessen Namen zu kennen?" "Namen spielen bei uns keine Rolle. Ihr normale Menschen seid alle geruchsblind, daher verwendet ihr Namen um euch auseinander halten zu können." "Ihr erkennt euch an den Gerüchen? Und was heisst hier -wir normale Menschen-? Du bist doch auch zum Teil ein Mensch!" "Ich wurde als Werwolf geboren und habe niemals meine Gestalt verändert, weil ich stolz darauf bin, was ich bin." Er sieht mich wütend an und zeigt dabei seine enorm grossen und scharfen Zähne. Seine Ohren sind nach hinten gelegt und seine gelben Augen funkeln mich wütend an. Ich weiss ganz genau, dass er mich mit nur einem Angriff in Stücke reissen könnte. "Wieso suchst du sie denn überhaupt?" "Weil sie nicht hier her gehört! Ich muss sie finden und zu unserem Alpha bringen." "Wenn du doch so eine gute Nase hast, warum scheint es dir denn dennoch nicht möglich zu sein, sie zu finden? Du suchst sie in einer Hütte, in welcher sie seit über einem Tag nicht mehr drin war und..." "Du Bestie! Jetzt werde ich dich töten!" Chris ist zu sich gekommen und scheint irgendwie nicht ganz mitbekommen zu haben, dass dies hier auf keinen Fall Sabritt sein kann. Er springt auf und stürzt sich auf diesen unbekannten Werwolf. Idiot, ist noch das letzte was mir durch den Kopf geht, als ich zur Seite springe. Chris stürzt sich auf ihn. Der Werwolf packt ihn blitzschnell am Hals und drückt zu. "Du jämmerliche Kreatur! Was willst du Wurm denn schon gegen uns ausrichten?" "Du bist eine Bestie, Sabritt! Und Bestien sollten hier nicht ungehindert herumlaufen!" Der Werwolf grinst frech über das ganze Gesicht als er zu mir hinüber blickt und spricht: "Meinst du, mir würde ein BH gut stehen?" Ich kann mich nicht halten und fange sofort an zu lachen weil ich sogleich angefangen habe, mir ihn mit BH vorzustellen. Nur wenn du dir dazu einen Rock anziehst, flitzt es mir durch den Kopf und nur mit Mühe schaffe ich es, diesen Satz nicht laut auszusprechen. Ich möchte dieses riesenhafte Tier nicht auch gegen mich aufhetzen. Soll er sich ruhig um Chris kümmern.. "Seh ich etwa so aus wie ein Weibchen für dich?", knurrt er wieder an Chris gewandt. Chris sieht ihn leicht verwirrt an. Sein Blick wandert langsam herunter und als es ihm plötzlich dämmert, dass er hier nicht Sabritt vor sich hat, sieht er plötzlich ziemlich panisch aus. "Oh Gott! Es tut mir leid lieber Werwolf. Bitte vergib mir!" Wie nett er plötzlich sein kann in angesicht des Todes. Er umklammert die starken Arme des Werwolfes und tätschelt diese sanft: "Dies war nur ein dummer Irrtum meinerseits. Ich entschuldige mich aufrichtig dafür. Aber du darfst mich nun gerne wieder herunter lassen, ich werde dir auch bestimmt nichts tun." Ich erkenne ein leichtes Aufblitzen in diesen gelben Augen, als er grinsend seine scharfen Zähne zeigt und spricht: "Als ob ich angst vor dir hätte. Du könntest mir gar nichts tun!" "I-ich bin gefährlicher als ich aussehe! Ich habe Sabritt auch schon niedergestreckt!" Und noch einmal: Idiot... Der Blick des Werwolfes verfinstert sich und augenblicklich drückt er, mit deiner Klaue um den Hals von Chris, fester zu. "Du hast was getan?", knurrt er ihn an. In solch einer Lautstärke, dass Chris's Haare leicht flattern. "Ich meine.. ich habe..." Er scheint keine Worte mehr zu finden. Die Angst lähmt nun nicht nur seinen Körper sondern auch seine Zunge. Obwohl der Griff um seinen Hals bestimmt auch eine grosse Rolle spielt. "Niemand greift ein Mitglied unseres Rudels an! Und schon gar kein Mensch!" "Ganz ruhig", versuche ich mich einzumischen und die Stimme der Vernunft zu sein, "Sabritt geht es gut! Es war ein kleiner Zwischenfall, aber wenn du sie findest, wirst du sehen, dass ihr nichts passiert ist!" "Und wovon spricht dieses Aas dann?" Nun scheint er auch sauer auf mich zu sein.. habe ich toll hingekriegt. "Er ging, zugegeben, mit einem Jagdmesser auf sie los und hat sie niedergeschlagen. Er dachte sie wäre tod, doch es geht ihr gut, ihr ist nichts weiter passiert! Sie hat nicht einmal eine Narbe davon getragen!" Er sieht mich aus den Augenwinkeln kurz an und blickt dann scharf Chris an. "Wenn ich dich noch einmal sehe, schwöre ich dir, wirst dieses Wiedersehen, nicht überleben! Und jetzt scher dich aus meinem Blick- und Geruchsfeld, bevor ich es mir anderst überlege!" Welch eine Ironie.. Wie gross wohl sein Geruchsfeld sein mag..? Er lässt Chris fallen. Er scheint noch ziemlich wacklig auf den Beinen zu sein als er sich umdreht und wegstolpert. Der Werwolf und ich blicken ihm noch kurz hinter her bis er auf dem Friedhof verschwindet. Plötzlich spüre ich seinen Blick auf mir und sehe ihn an. "Nun zu dir!" Ich befürchtete irgendwie schon sowas.. "Wo finde ich sie?" "Ich weiss es wirklich nicht.. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn ich dir helfen darf, sie zu finden. Sie ist für mich sehr wichtig.." "Na gut.. Von mir aus.. Solltest du jedoch irgend welche Anstalten machen, dich irgendwo einzumischen oder sollte ich auch nur eine Sekunde denken, du stellst mir oder ihr gegenüber, eine Bedrohnung dar, werfe ich dich dem Rudel zum Fras vor!" Ich schlucke schwer, nicke kurz und mache mich als Erstes auf den Weg.

Kreatur des Blutes (Sabritt)
Schnell jage ich durch die Gassen. Mein Herz klopft wie wild, doch ich rieche dass sie mich nicht verfolgen. Nur ein Wahnsinniger würde sich mir jetzt in den Weg stellen. Meine Gedanken spielen verrückt. Wut breitet sich in meinem Herzen aus. Wut auf die Menschen. Sie haben es nicht verdient zu leben. So wie sie mit anderen Lebewesen umgehen.. so wie sie mit ihresgleichen umgehen! Ausrotten sollte man sie.. In einem grossen Blutbad. Ich stelle mir vor, wie ich mich durch eine Masse von Menschen schlage. Bewaffnet nur mit meinen messerscharfen Klauen. Keiner vermag es mich zu verwunden, keiner hat auch nur eine Chance. Erst fällt Einer, dann der Zweite und es werden immer mehr und mehr. Ich metzel sie nieder und das herrlich warme Blut befleckt mein Fell. Ich schmecke es auf den Lippen und die Gier danach wächst. Der Blutrausch bricht herein! Es gibt doch wirklich nichts schöneres als Blut auf dieser Welt. Ich bin nun nicht mehr auf der Flucht.. ich bin nun auf der Jagd! Schnell drehe ich um und visiere mein neues Ziel an: Der Friedhof! Dort werde ich bestimmt ein paar Opfer ausfindig machen! Und wenn nicht, nehme ich die Fährte von Chris auf und werde ihm das geben, was er sich schon längst verdient hat! Ich brauche nicht lange dort hin, denn mein Körper kommt nach der langen Gefangenschaft endlich zu kräften. Auf dem Friedhof angelangt, wandere ich leise wie ein Schatten durch das Gras und beobachte meine Umgebung ganz genau. Irgendwo kniet oder steht bestimmt jemand bei einem Grabstein. Mein Blick schweift über die verschiedenen Grabsteine und da bemerke ich.. Moment.. zurück! Ich sehe dort zwei sehr ähnliche Grabsteine. Beide sind sie 3 Jahre alt. Kurz reibe ich mir die Augen um sicher zu gehen, dass ich mich nicht gerade verlesen habe. Thorsten und Erika Schmid.. gestorben am 26. April vor 3 Jahren.. Tränen schiessen mir augenblicklich in die Augen. Meine Wut und meine Gier sind beide wie weggeblasen. Sie sind tod.. meine Eltern sind beide vor 3 Jahren gestorben.. und ich war nicht da.. ich war.. nicht.. Ein leises Schluchzen.. weitere Tränen welche mir über die Wangen kullern.. Meine Kraft entschwindet und ich bemerke wie ich Schrumpfe.. Nach kurzer Zeit bin ich wieder ein Mensch. Nackt stehe ich auf dem Friedhof, bei den Grabsteinen meinen Eltern und weine mir die Seele aus dem Leib. Ich habe euch geliebt und nun seid ihr einfach nicht mehr. Nun habe ich keinen Halt mehr.. keine Orientierung und auch.. jetzt ist alles verloren.. Ausser Kevin bleibt mir nun gar niemand mehr.. Sollte ich sterben, wird es nun tatsächlich ausser Kevin, niemanden interessieren. Meine Kraft ist nun komplett weg und ich bemerke wie meine Beine den Halt verlieren und mein Körper zusammenfällt wie ein Sack Kartoffeln. Welch ironie.. ein kleiner Lichtkegel blendet mich von der Seite, als sich ein älterer Herr nähert und mich anspricht: "Ja die Familie Schmid.. tragisch was da passiert ist.." Mit knallroten Augen blicke ich zu ihm hoch und frage direkt nach: "Wie meinen sie das? Was ist denn passiert?" "Du weisst das nicht? Ihre Tochter verschwand vor ein paar Jahren plötzlich aus dem Krankenhaus. Sie haben alles in ihrer Macht stehende getan um sie wieder zu finden. Solange auch keine Leiche gefunden wird, wollten sie nicht aufgeben, sagten sie mir. Nach ein paar Monaten gab die Polizei jedoch die Suche auf. Die Beiden nicht. Dauernd waren sie unterwegs, suchten immer und immer wieder alles ab. Als sie eines Abends die halbe Nacht wieder durchgesucht haben, sind sie dann zu schnell in ihren Betten eingeschlafen. Eine Kerze fiel um, vermutlich durch einen Windstoss aus dem offenen Fenster oder durch die Katze, man weiss es nicht. Das Haus brannte nieder. Die Beiden hatten immer so wenig geschlafen, dass sie nicht aufgewacht sind durch die Hitze. Und damit sind sie dann nie wieder aufgewacht.. Tut mir leid um die Beiden.. Das war wirklich eine tolle Familie. Und ihre Tochter.. naja. Sie war schon irgendwie seltsam." Noch mehr Tränen tränken nun die Erde. Ich bin schuld? Ich habe den Tod meiner Eltern zu verantworten.. Ich wende den Blick zurück auf den Grabstein. "Was meinen sie mit.. seltsam?" "Ich weiss auch nicht so recht. Sie war als Kind schon immer etwas anderst. Sie wär ein hübsches Mädchen. Und irgendwie doch kein Mädchen. Sie hat sich nie für irgendwelchen Frauenkram interessiert. Ausserdem hatte sie immer dieses Leuchten in den Augen wenn sie einen anlächelte. So eines wie.." ".. ein Wolf bei der Beutejagd hat." "Ja ganz genau! Sie wirkte immer auf mich, als sei sie kein Mensch. Oder als verachte sie alle Menschen. Ich glaube sie hatte damals nur eines im Kopf.." "..Blut!" "Ja! Hey Moment mal. Kanntest du Natalie etwa?" "Nennen.. sie.. mich.. nie.. wieder.. so...!" Meine Wut kehrt zurück. das Adrenalin pocht durch meine Adern und erfüllt mich mit Energie. Mein Blick verfinstert sich. Die Haare spriessen wieder aus jeder Pore und mein Körper wächst. Der Mann blickt mich mit grosser Angst an. Seine Taschenlampe fällt ihm aus der Hand. Bewegungsunfähig vermag er es nur, mich an zu starren. Gelähmt. Zitternd. Das ist es, was meine Gier nährt. Das ist es, was ich an meinem neuen Leben so liebe. Die Angst der Menschen. Die macht über ihr Leben. Ihr könnt mich grössenwahnsinnig nennen. Aber ich bin nunmal jetzt ein Monster. Ich war schon immer eines, das weiss ich ganz genau. Wenn manche Menschen wüssten, was mir so durch den Kopf geht, würden sie nie wieder ein Wort mit mir sprechen. Daher hielt ich es auch immer geheim. Ich wurde mit den Jahren zu einer tollen Schauspielerin, niemand hat es bemerkt. Niemand hatte auch nur eine Ahnung. Kevin wusste es.. Aber selbst er hatte manchmal probleme damit. Ich wusste, ich würde niemals jemanden finden, einen Mann, der zu mir passen würde. Daher hielt ich die Menschen gleich alle auf Abstand. Und jetzt, wo ich nicht nur innerlich, sondern auch äusserlich zu einer Kreatur der Nacht und des Blutes geworden bin, fühle ich mich endlich wohl in meiner Haut.. ähm... Fell. Der Mann macht einen Schritt nach hinten, doch er kommt nicht weit, als ich zum Sprung ansetze und ihn mit meinem Körpergewicht zu boden donnere. Ein kleiner Imbiss um wieder zu kräften zu kommen.

Die Maske fällt (Sabritt)
Aus dem Augenwinkel nehme ich plötzlich eine Bewegung wahr. Eine Schnelle. Jemand rennt in grosser Eile über den Friedhof. Schnell wende ich mich von den Überresten des alten Mannes ab und erkenne die rennende Person sofort: Chris! Dieser Bastard! Ich jage über den Friedhof. Als er mich sieht, beschleunigt er seine Schritte und schreit mich an: "Sabritt hau ab! Lass mich in Ruhe und kehre zu deinem Rudel zurück! Verschwinde von hier!" Rudel? Was faselt der da? Doch eigentlich ist es mir relativ egal. Ich schöpfe Kraft aus meiner Wut und dem Verlangen um noch schneller zu werden und bald darauf habe ich ihn auch eingeholt. Ein letzter Sprung und er liegt flach auf dem Boden. Triumphierend drücke ich ihn mit nur einem Fuss auf seinem Brustkorb gegen den Boden und halte ihn dort fest. Mein Atem geht schnell, doch ich stehe aufrecht. "Ich habe dir doch gar nichts getan! Lass mich laufen!" "Dein Gewinsel und Gebettel wird dich nun auch nicht mehr retten! Du verachtest uns. Du hasst mich, obwohl ich dir von Anfang an, nichts getan hatte. Du bist so erbärmlich wie der Rest deiner Rasse! Doch dem werde ich nun endlich ein Ende setzen!" Langsam beuge ich mich zu ihm herunter. Ich schmecke bereits das Blut in meinem Mund und meine Klauen lechzen nach mehr Beute! Bevor ich jedoch mein Vorhaben in die Tat umsetzen kann, höre ich ein Schrei über den Friedhof hallen: "Sabritt! Waartee!" Kevin? Ich richte mich auf und drehe mich in die Richtung, aus welcher der Schrei kam. Kevin eilt über den Friedhof. Jemand folgt ihm.. kein Mensch.. ein.. Werwolf? Ich bin nicht alleine? Meinte Chris ihn damit? "Tu' das nicht! Du bist keine mörderin!" "Oh doch Kevin! Genau das bin ich!" Chris zappelt flehend und ängstlich unter meinem Fuss und versucht sich verzweifelt frei zu bekommen. Ich lege mein ganzes Gewicht auf ihn um ihn besser festnageln zu können. Du Ratte entkommst mir nicht! Kevin kommt einige Meter vor mir zum Stehen, sein Begleiter steht aufrecht hinter ihm. Er beobachtet das Treiben neugierig während Kevin verzweifelt weiter auf mich einredet: "Nein bist du nicht! Ich kenne dich nun schon so lange. Du warst immer ein so liebenswerter Mensch!" "Du hast nur meine Maske gesehen, welche ich all diese Jahre aufgesetzt hatte. Lügen die ich erzählte um nicht mein wahres Ich zeigen zu müssen!" "Das redest du dir doch nur ein! Du bist gutmütig und hilfsbereit. Das warst du schon immer! Die Menschen haben dir immer etwas bedeutet." "Nichts! Sie sind nichts wert! Sie verdienen es nicht, zu leben!" "Jedes Leben hat seinen Wert! Daran hast du immeer geglaubt und dieses Prinzip hast du auch stets verteidigt!" "Das stimmt.. Jedes Leben hat seinen Wert. Doch auch Nahrung hat seinen Wert, genau so wie Rache! Ihr habt gesehen, was ich wollte, dass ihr seht! Nichts weiter. Mein Herz hat geweint, doch niemand sah seine Tränen. Meine Seele schrie vor Verzweiflung! Doch niemand hat es gehört.. Mein Kopf spielt verrückt seit ich mich zurück erinnern kann. Das Blut war schon immer mein Element! Meine Lebenskraft! Was für Andere der Horror ist, liess mich lächeln, es erweckte die Gier und die Lust!" "Das bist doch gar nicht du... Sabritt.. wach auf!" "Ich bin wach Kevin, ich bin hell wach. Nun siehst du endlich das, was ich schon immer war! Das Monster welches in meinem Herzen und in meiner Seele wohnte, ist nun auch zu meinem Äusseren geworden. Ich bin ein Tier, ich war schon immer eines! Und ich habe es ehrlichgesagt einfach nur noch satt, mich zu verstecken, die Maske zu tragen und jedem etwas vor zu spielen! Die Maske wurde mit den Jahren immer schwerer.. ich habe die Kraft nicht mehr, sie aufrecht zu erhalten. Ich weiss dass ich Abschaum bin! Ich weiss dass ich auf ewig alleine sein werde und dass ich irgendwann jämmerlich in den Gassen zu Grunde gehen werde. Doch das bin nunmal ich!" "Ich habe dich damals als junges, hübsches Mädchen kennengelernt.. das Herz voller Vertrauen und voller Liebe.. Den Kopf mit so vielen Möglichkeiten welche dir noch offen standen. Du hattest alles.. was ist nur mit dir passiert?" "Was passiert ist?! Das Leben ist passiert! Ich habe gekämpft und bin immer wieder aufgestanden, nach jeder Niederlage stand ich wieder auf. Meine Knie sind blutig! Der Unfall und das Krankenhaus gaben mir den Rest! Ich wollte nicht mehr leben, ich wollte endlich das Zeitliche segnen und meine Ruhe finden. Ich wollte in die Dunkelheit zurück kehren. Doch nicht einmal dass wurde mir gewährt! Das scheiss Leben blieb in meinem Herzen und erfüllte meinen Körper. Was war die Folge davon? All die Jahre der Gefangenschaft, der Einsamkeit und des Leidens, dies war mein Lohn für die Kämpfe die ich bisher bestritten habe." "Es wird etwas gutes daraus werden, wenn du nur nicht aufgibst Sabritt! Glaube und Vertraue dem Schicksal!" Habe ich das nicht schon einmal gehört..? Kämpfe.. Vertraue.. Worte die mir immer wieder durch den Kopf jagen. Doch will ich das überhaupt noch? Vertrauen fällt mir sehr schwer nach diesen Zeiten.. Ich spüre plötzlich wie sich Chris weiter unter meinem Fuss windet. Mit voller Wucht knall ich ihn auf den Boden zurück, den Blick und die Worte auf Kevin gerichtet: "Der Mensch, den du kenneglernt hast, hat nie wirklich existiert. Doch die Kreatur, welche vor dir steht, die ist echt!" Damit reisse ich den Blick von ihm ab und nehme Chris mit einem lächeln ins Visier. Ich beuge mich nach unten, packe mit meiner Klaue seinen Hals, zieh ihn zu mir hinauf und öffne mein Maul. Von hinten höre ich Kevin noch kurz aufschreien: "Das bist nicht du Sabritt! Tu' das nicht!" Doch da ist es bereits zu spät. Ich zerfleische das Gesicht von Chris mit meinen Messerscharfen Zähnen. Sehnen reissen und Knochen splittern. Das Geräusch durchströmt den ganzen Friedhof und hallt laut in die Nacht hinein. Ich mochte diese Geräusche schon immer.. Ich habe es immer gerne gehört, wenn jemand aus Spass mit seinen Knochen knackte. Doch dann vernehme ich etwas Anderes.. Kevin.. wie er seinen Mageninhalt über dem Rasen entleert. Als ich mich blutverschmiert zu ihm umdrehe, tritt der andere Werwolf aus den Schatten. Ein breites Lächeln ziert sein dunkles Gesicht als er mich anspricht: "Du bist also Sabritt. Ich erkenne deinen Geruch aus der Hütte. Ich muss dich unbedingt den Anderen vorstellen. Du gehörst genau in unsere Reihen." Ich ekle ihn nicht an? Ich bin für ihn kein räudiges Tier das weggesperrt gehört? Es scheint ihn sogar zu faszinieren was ich hier gerade von mir preis gegeben habe.. Es gibt also doch noch Wesen wie mich? Die nicht nur ähnlich aussehen, sondern auch ähnlich Ticken wie ich? Sollte ich diesem Ruf des Schicksals folgen? Oder werde ich doch nur wieder enttäuscht und in den Dreck geworfen..?