Täysikuu - Die Kraft des Mondes

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~ Kurzgeschichten ~


Blutrausch
Meine Wahre Gestalt. Das was ich bin und immer sein werde. Ein Monster!
Meine Gedanken treiben mich voran. Meine Gier, die Lust und das Verlangen. Ein Regenschauer durchnässt mir das Fell. Regen ist doch etwas wunderbares, oder nicht? Es wäscht einfach alles fort. Man kann so schön die Seele darin baumbeln lassen. Doch nicht jetzt. Endlich bin ich an meinem Ziel angekommen. Ich stehe vor einer Holztür. So zerbrechlich das alte Stück. Ich rieche das Blut in ihren Adern. Ich höre die Stimmen der Beiden. Sie befinden sich da drin. Doch nicht mehr lange. Ich hebe mein rechtes Bein an und lege mein ganzes Gewicht darauf. Mit einem lauten Splittern kracht die Tür nach innen auf. Entgeistert und entsetzt sehen mich die Beiden im Innern an. Die Baar ist so gut wie leer, bis auf diese zwei Besucher und dem Barkeeper. Alle drei starren sie mich an. Die beiden Männer stehen von ihrem Tisch auf, auf welchem noch zwei volle Krüge Bier stehen. Langsam gehe ich auf sie zu. Meine Augen sind voller Gier und der Vorfreude darauf, was jetzt gleich passieren wird. Die Klauen geschärft und das Herz bereit. Es kostet mich nur einen Sprung und der Erste der Beiden liegt auf dem Boden, unter meinem Gewicht festgenagelt, sind seine Fluchtversuche wertlos. Seine Schreie werden ihm auch nichts bringen. Es ist die Zeit der Abrechnung gekommen. Mit einem kurzen Hieb reisse ich ihm das Gesicht in Fetzen. Das Blut strömt aus der Wunde und tränkt den Holzboden. Etwas kracht auf meinem Rücken und zersplittert. Ein kurzer Schmerz zuckt mir durch die Knochen, doch ist dieser nicht der Rede wert. Als ich mich umdrehe, hält der Zweite noch einen kleinen Rest eines Stuhls in der Hand und lässt diesen beim Anblick von meinen Augen, welche nun auf ihn gerichtet sind, sofort fallen. Mit dem nächsten Sprung, liegt nun auch er auf dem Boden. Meine Zähne lass ich in seine Schulter gleiten. Die Schmerzensschreie sind laut, sehr laut. Ist das nicht wunderbar? Jeder wie er es verdient. Hat er es denn verdient? Hatte es der Andere verdient, der gerade in seinem Blut erstickt? Eigentlich weiss ich es gar nicht. Doch wisst ihr was? Es ist mir egal.. Meine Gier und meine Lust wollen befriedigt werden. Das Tier in mir war schon immer da, greifbar nah. Doch niemand weiss es. Niemand kennt mich. Niemand weiss über meine Gedanken bescheid. Und das hat bisher jeden geschützt. Der Blutrausch, diese Kraft und Energie sind einfach atemberaubend und ich fühle mich, wie auf der geilsten Droge der Welt. Denn Leben selbst ist die beste Droge die es gibt. Der Lust einfach freien Lauf zu gewähren, das schönste Hochgefühl. Meine Vorderkrallen lass ich tief in seine Brust eindringen, um noch mehr Schreie aus ihm heraus zu kitzeln. Und mit diesem Beschenkt er mich auch. Wie schön das Lied des Schmerzes doch klingen kann. Wunderbare Musik für meine Sinne. Noch tiefer.. immer tiefer dringen meine Krallen ein. Das Blut fliesst mir über die Pfoten. Ich beuge mich vor und koste davon. So süsslich. Einfach wundervoll. Ich ziehe meine Krallen hinaus und beuge mich über sein Gesicht. Ich bohr meine Zähne langsam in seine Wange. Doch mit Vorsicht. Ich möchte ja nicht, dass er zu schnell abtritt. Langsam reisse ich ihm ein Stück seines Fleisches aus dem Gesicht und kau es genüsslich vor mich hin. Ein Schokoriegel für Werwölfe. Und dazu jetzt noch eine Weintraube bitte.. Ich setze vorsichtig meine Krallen an die Ränder seiner Augen und mit etwas Druck gelingt es mir, das erste Auge aus seiner Höhle zu ziehen, gefolgt von einem leisen "plopp" Geräusch. Ich stecke es mir in den Mund und spiele mit der Zunge etwas damit, bevor ich es mit meinen Zähnen zerkaue und runterschlucke. Als ich ihn anknurre läuft mir etwas Blut und Sabber aus dem Mundwinkel. Ups. Wie unhöflich. Da mir das Geschrei so langsam in den Ohren schmerzt, beisse ich ihm fix in die Kehle und reisse ihm die gesamte Speiseröhre hinaus. Nach kurzer Zeit verschwindet auch dies in meinem Magen und wird langsam verdaut. Ich spüre einen kurzen Windhauch an meinem Fell vorbeizischen, als zeitgleich eine Kugel neben mir in die Wand einschlägt. Sofort drehe ich mich um. Der Barkeeper steht bewaffnet hinter dem Tresen. Lädt nach und.. Mit einem schnellen Sprung bin ich schon weg und der Schuss hat mich abermals verfehlt. Auf allen Vieren springe ich im Schuppen hin und her. Er schiesst und schiesst, doch keine Kugel vermag es, mich zu treffen. Als ihm doch noch die Kugeln ausgehen, springe ich ihm ins Gesicht und werfe ihn damit zu boden. Mit meinem scharfen Zähnen reiss ich ihm die Haut von seinem Gesicht. Hunger habe ich leider keinen mehr. Jedoch macht sich eine andere Lust breit in mir. Mit den Krallen reisse ich ihm die Bauchdecke auf. Gedärme, Magen, Lungen, Herz und alles was mir sonst noch in die Quere kommt, reisse ich ihm Stück für Stück aus dem Leib. Der Boden nun voller Blut, wälze ich mich darin wie ein Vögelchen in der trockenen Erde, bis mein Fell komplett mit Blut zugedeckt ist. Alles in mir fängt an zu kribbeln.. Jetzt bin ich so weit. Meine Gedanken haben nun ihren Frieden. Nun will es mein Fleisch auch. Das Blutbad, die Gewalt und die Gier sind immer nur der Anfang. Ich lasse sie leben, weil ich lebe. Doch was einen Anfang findet, will auch ein Ende haben. Ich werde mich jetzt auf die Suche nach dem schönsten Ende machen. Das Vorspiel ist nun zu ende. Langsam verlasse ich die Bar und mache mich auf in die Nacht, auf der Suche nach einem Männchen...

Kopfschuss
Er geht hin und her. Scheinbar weiss er nicht genau, was er mit uns anfangen soll. Oder er hat sich noch nicht dafür entschieden, mit wem er anfangen soll. Seine Augen wandern von einer Person zur Anderen. Ich sehe mich um und frage mich, wo wir hier eigentlich sind. Wie wir hier hergekommen sind weiss ich nicht mehr. Es fühlt sich an, als sei ich gerade in diesem Augenblick aufgewacht und befinde mich schon mittendrin. Mittendrin stehe ich auch. Um mich herum stehen noch viele andere Menschen. Frauen und Männer mit unterschiedlichem Alter. Keiner gibt auch nur einen Laut von sich. Der Kerl geht weiter hin und her und dabei entdecke ich die Pistole in seiner rechten Hand. Der Raum scheint gross zu sein. Überall stehen Tische und Stühle herum. Entweder traut sich keiner, sich zu bewegen, oder aber, es wurde es verboten, dass wir uns hinsetzen dürfen. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, welche der beiden Optionen zutrifft. Die Stühle und Tische stehen etwas weiter weg von mir, jedoch trau ich mich nicht, mich zu einem davon zu bewegen. Wie erstarrt stehen wir da. Einige haben den Blick auf den Boden gerichtet, die Anderen Blicken dem tollwütigen Hund der hier vor uns auf und ab geht, hinterher und lassen ihn auf keinen Fall aus den Augen. Plötzlich bleibt er stehen, blickt in die Runde und fragt uns: "Und, wie geht es euch so?" Es ist offensichtlich, dass es keinem von uns gut geht. Alle sind ziemlich verängstigt. Und selbst da weiss ich nicht einmal warum. Ich sehe nur ihn, ansonsten keine ähnliche Bedrohung. Dämliche Frage die er uns da stellt.. daher antworte ich, zu meinem Bedauern, etwas unüberlegt und in guter Lautstärke: "Was glaubst du denn?" Sarkasmus im falschen Augenblick. Dies werde ich bestimmt noch bereuen. Er Blickt mich direkt an. Seine Körperhaltung scheint gereizt und agressiv. Er macht ein paar wenige Schritte, so dass er direkt vor mir steht. Sein Blick wandert kurz an meiner Schulter vorbei auf den Boden, als ob er nach einer Antwort auf diese Frechheit suchen würde. Doch es fällt ihm keine ein. Während sein Blick noch auf den Boden gerichtet ist, seh ich aus dem Augenwinkel, wie seine Waffe nach Oben wandert und von unten her auf meinen Kopf gerichtet ist. Bevor ich auch nur reagieren kann, nehme ich noch im Bruchteil einer Sekunde wahr, wie mich einige sehr geschockt ansehen. Im selben Moment höre ich einen lauten Knall und Augenblicklich wird vor meinen Augen alles Schwarz. Kurz nehme ich noch Wahr, wie ich falle, doch den Aufprall auf dem Boden, spüre und bemerke ich nicht mehr. Ich spüre keine Schmerzen, es scheint mehr, als würde ich jeden Moment in einen tiefen Schlaf fallen. Mein Körper kribbelt leicht, so wie wenn ein Arm oder ein Bein kurz eingeschlafen ist. Das Kribbeln wird intensiver und geh in Taubheit über. Ich spüre absolut gar nichts mehr. Das Einzige was ich noch kurz bemerke ist, wie meine Lungen versuchen die nötige Kraft aufzutreiben, um frische Luft einzusaugen. Meine Brust hebt sich noch kurz für nicht mal einen Millimeter. Und tauche ich ab.. ins Nichts...