Der Duft des Blutes (9)


Was habe ich nur angerichtet? War das wirklich ich? Musste das wirklich sein? Wenn ich ehrlich bin.. Ja, das war ich und ja, es musste sein! Menschen sind so etwas jämmerliches. Irgendwie bin ich ja froh, dass ich nicht mehr wirklich zu dieser Spezies gehöre. Ich bin das, als was mich jeder sieht: Ein Monster! Und hungrig bin ich noch dazu. Es war ein herrliches Gefühl, meine Klauen in den Sack Fleisch zu schlagen und Wunden zu reissen. Der Duft des Blutes hat mich regelrecht verwandelt.
Schnell hetze ich durch die Stadt. Meine Schulter brennt etwas, ich muss mich an den Glasscherben des Fensters verletzt haben. Aber macht nichts. Das heilt ja sowieso ziemlich schnell wieder. Ich renne von der einen Gasse zur Nächsten. Mal quer über die Strasse, dann wieder zurück in die Gassen und in die Dunkelheit. Ein lauter Knall erweckt meine Aufmerksamkeit. Es ist nicht weit und langsam schleiche ich mich um die nächste Ecke. Ich höre Stimmen und ich rieche... etwas wunderbares. Ich werfe einen Blick herum und sehe wie ein grosser Kerl mit einer Pistole auf jemanden zielt, der vor ihm auf den Knien ist. Es findet ein Wortwechsel statt. "Hast du es oder nicht?", wettert der mit der Pistole. "Nein! Die Zeit war zu knapp, ich habe es nicht geschafft!" "Und was mache ich nun? Weisst du eigentlich wie viel Aufwand es sein wird, dass alles wieder hin zu biegen? Ich sollte dich einfach erschiessen!" "Nein bitte! Gib mir noch eine Woche Zeit! Ich treibe es ganz bestimmt auf!" Ich lasse das Adrenalin sinken. Die Kraft entschwindet und verlässt meinen Körper. Ich steh nun Nackt und als Mensch da. Ich schleiche mich um die Ecke und stelle mich mitten auf die Strasse der Gasse, so, dass mich der Kerl mit der Pistole auf jeden Fall sehen kann. In dem Moment ist ein lautes Donnergrollen zu vernehmen. Es folgt das Niederprasseln des Regens. Meine Haare hängen schwer von meinem Kopf und bedecken meine Brüste. Dies gäbe bestimmt ein wunderbares Foto. Der Kerl mit der Pistole sieht mich an. Er grinst frech. "Na kleine? Hast du dich irgendwie verlaufen und deine Klamotten zu hause vergessen? Komm her und ich wärme dich!" Ich blicke ihn direkt an und lächle sanft. Langsam gehe ich auf die Knie. Seine Augen leuchten und erzählen mir von seinem Kino welches sich zu dieser Zeit in seinem Kopf abspielen muss. Ich lasse das Adrenalin wieder zu. Es pumpt durch meinen gesamten Körper. Durch die Blutandern. Es fühl sich an wie Kohlensäure welches durch meinen Körper schiesst. Als würde ich unter strom stehen. Diese gewaltige Energie! Ich springe nach vorne. Immer und immer wieder. Mein Körper wird grösser. Die Haare schiessen aus jeder Pore heraus. Mein Gebiss wird stärker und meine Krallen schärfer. Als er mich ansieht und endlich kapiert, was aus mir geworden ist, verwandelt sich sein hämisches Grinsen in pure Angst. Das ist es! Genau das rieche ich so gerne! Angst! Ich kann es sehen, spüren und riechen. Immernoch springe ich Satz für Satz auf ihn zu und nach kurzer Zeit bin ich auch schon da. Ich springe hinter den Kerl auf den Knien, mach einen letzten Sprung über seinen Kopf hinweg und lande damit auf der Brust von dem anderen Kerl. Krachend und mit Schmerzensschreie geht er zu boden. Er wagt es nicht, sich zu bewegen. Das Zittern lässt seinen Körper beben. Er scheint wie gelähmt, bis ihm dämmert, dass er im Vorteil sein könnte. Er versucht die Waffe auf mich zu richten, doch ich bin schneller. In dem Moment als er mit dem Arm noch oben schnellt, packe ich sein Handgelenk mit meinen Zähnen. Ich schlage kleine Wunden und Blut rinnt zwischen meinen Zähnen hervor und rinnt ihm den Arm hinab. Er schreit und jammert. Du jämmerlicher Bastard! Dein bescheuertes Grinsen wird nie wieder jemand sehen! Mit einem Ruck spanne ich meine Kiefermuskulatur an und zerfetze damit sein Handgelenk. Das nenne ich mal pure Kraft! Seine Hand habe ich damit abgetrennt, sein Arm fällt ohne sie zu boden und er schreit weiterhin vor Schmerzen. Die Finger der abgetrennten Hand entspannen sich und die Pistole fällt auf seine Brust. Als ich mein Maul öffne, fällt ihm seine Hand ebenfalls auf die Brust. "Hilfeeee!" Doch keiner scheint es zu hören oder es wird einfach ignoriert. Erstaunlich wie Menschen einfach wegsehen und weghören, wenn ihres Gleichen in Gefahr schwebt. Ich öffne noch einmal mein Maul und beisse ihm mitten ins Gesicht. Er zappelt eine Weile und schlägt mit seinem Armstumpf gegen meine Schulter, und mit der Anderen gegen meinen Kopf. Umso mehr er zuschlägt, umso tiefer bohre ich meine Zähne in sein Gesicht. Ich spüre wie schnell das zarte Fleisch nachgibt, höre Knochen und Knorpel splittern. Mit einem Ruck werfe ich den Kopf nach hinten und reiss ihm so die Hälfte von seinem Gesicht weg. Blut strömt aus jeder Pore und vermischt sich mit dem Regen. Ich lasse die eine Hälfte langsam auf den regungslosen Körper fallen und fange an, davon kleine Stücke abzubeissen, zu kauen und runterzuschlucken. Hey, auch ein Monster muss was fressen, oder? Ich fresse noch eine ganze Weile von dem Kadaver, als ich plötzlich das Heulen einer Sirene vernehme. Ich stoppe und blicke auf. Kurz darauf jagd ein Polizeiauto in die Gasse. Es kommt quietschend zum Stehen und zwei Polizisten springen heraus. "Sofort stehen... Was zum..!" Ich springe auf sie zu. Auch sie sind vor lauter Entsetzen wie gelähmt. Sie schaffen es nicht einmal auch nur eine Kugel abzufeuern. Da bin ich schon bereits über ihr Auto gesprungen und in der Dunkelheit verschwunden...