Katz und Maus (8)


Musste das heute Abend sein? Ich möchte ihm doch eigentlich gar nicht begegnen. Ich habe Chris gesehen in der Menge. Das Problem ist nur: Er steht da nicht alleine. Seine Freunde waren alle um ihn versammelt. Wie hätte ich da mit Sabritt an meiner Seite bei ihm auftauchen können? Das hätte mächtig Ärger gegeben. Ich beweifle ehrlichgesagt auch, dass Sabritt mit ihrer neuen Form so richtig zurecht kommt. Sollte die Situation ausser Kontrolle geraten, wäre wohl keiner mehr... "AHHHHHH!!!!" Ich werde durch einen Schrei sofort aus meinen Gedanken gerissen. Eine Frauenstimmen. Was zum...? Sabritt!? Schnell eile ich aus der Männertoilette und sehe gerade noch wie ein junges Mädchen mit entsetztem Gesichtsausdruck, rückwärts aus der Frauentoilette stolpert. Die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ihr ganzer Körper zittert und ihre Augen sind mit Tränen gefüllt. Ich spring rüber und werfe einen Blick in den Raum. Oh nein... Meine Augen weiten sich, als ich die zwei toten Burschen auf dem Fussboden liegen sehe. Beide in einer Kabine, ihre Körper zerfetzt und Blutüberströmt. Die gesamte Kabine und der Fussboden darum.. rot.. Als ich etwas genauer hinsehe, erblicke ich das kleine aber feine Detail: Fusspuren im Blut und blutige Fusspuren welche von den Leichen um die Ecke bis zum Fenster an der Wand führen. Die Scheibe ist zersplittert.. irgendwas grosses und Kräftiges muss hindurch gesprungen sein. An den Scherben klebt noch etwas Blut.. Sabritt muss sich beim hinaus springen verletzt haben.. Was ist hier nur geschehen? Schnell eile ich aus der Toilette, durch die Masse von Glotzern welche nur mal etwas sehen wollen. Viele von ihnen kleben bereits an ihren Handys um es weiter zu tratschen oder sie telefonieren aktuell mit der Polizei. Ich muss sie suchen!, ist mein einziger, klarer Gedanke den ich gerade fassen kann, während ich mich weiter durch die Massen dränge und zur Tür hinaus auf die Strasse eile. Ich flitze um das Gebäude herum und finde an der Rückseite die Scherben von dem zertrümmerten Fenster. Ausserdem finde ich weitere blutige Füssabdrücke, welche offensichtlich nicht von einem Menschen stammen. Ich folge ihnen ein paar Strassen weit. Das Blut bleibt ja auch nicht ewig kleben.. irgendwann ist es auf dem Boden "verbraucht". Kurz bleibe ich stehen und dreh mich ein paar mal im Kreis. Wo kann sie nur hingegangen sein? "Sabriiiitt!", schrei ich in die Nacht hinein. Doch der Ruf verbleibt ohne Antwort. Moment mal.. hier in der Nähe ist doch der Friedhof. Vielleicht ist sie zur Hütte zurück gerannt? Ohne noch länger einen Gedanken zu verschwenden an das was sein könnte, mache ich mich auf den Weg dort hin. Schon bald sehe ich den Friedhof in der Nähe. Ein Grollen.. gefolgt von einem Blitzschlag. Ein Gewitter scheint auf zu ziehen. Ich höre auch wie hier und dort ein paar Regentropfen auf dem Boden einschlagen. Mit schnellen Schritten überquere ich den Friedhof, springe über die kleine Mauer und stehe vor der Hütte. Der Regen wird stärker während ich in die Finsternis der kleinen Hütte blicke. "Sabritt? Bist du hier?", abermals keine Reaktion. Wohin könnte sie sonst gegangen sein? Es gibt tausende von Möglichkeiten und vielleicht sehe ich sie nun auch nie wieder.. Mein Herz wird bei diesem Gedanken sehr schwer. "Natalie..", flüstere ich mehr ins Nichts als zu mir selber. Meine Augen füllen sich mit heissen Tränen und rinnen fast sofort über meine Wangen, von wo sie vom Regen weggewaschen werde. Ich stehe wie angewurzelt vor der Hütte und fühle mich wie erstarrt von der Angst und der Verzweiflung. Du warst mein ein und alles.. Ich habe dich damals so sehr geliebt, jedoch nicht den Mut gehabt, es dir zu sagen. Aus Angst, ich könnte dich verlieren. Du wurdest mir durch einen schrecklichen Unfall entrissen und mit dem Glück, welches ich noch immer nicht ganz verstehen kann, habe ich dich wieder gefunden. Und das soll es nun einfach gewesen sein? Du kannst mich doch nicht einfach so schon wieder verlassen.. "Wenn du mich schon trittst, dann schau wenigstens, dass ich am Boden bleibe und nicht mehr aufstehe! Verdammt! Wieso tust du mir das schon wieder an?" "Wieder? Da scheinen wir ja etwas verpasst zu haben." Oh nein bitte nicht... Ich erkenne die Stimme sofort und drehe mich langsam um. Egal was passiert, er kann mir nichts antun, was mir mehr Schmerzen bereiten könnte. "Was willst du hier Chris?" Er ist nicht allein. Zwei Freunde haben ihn begleitet. Aus welchem Grund ist er hier? Und warum nimmt er Freunde mit? Er muss irgendwas vor haben.. "Wo ist sie?", fragt er mit scharfem Ton. "Du hast sie umgebracht mit deinem beschissenen Jagdmesser!" "Erzähl mir doch keinen Scheiss! Das was gerade in der Kneipe passiert ist, war sie! Ich hatte dir doch gesagt sie wird noch jemanden töten! Es ist eine Bestie und kein Mensch! Wann kapierst du das endlich du Arschloch?!" "Sie ist keine Bestie!" "Und warum zur Hölle liegen nun zwei tote Kerle in der Kneipe?" "Die liegen verdammt nochmal in der Mädchentoilette! Hast du dich mal gefragt, was die eigentlich dadrin zu suchen hatten?" "Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Sie hat sie bestimmt verführt und mit dem Versprechen auf einen schnellen Fick dort hinein gelockt um sie zu zerstückeln!" "Das kannst du doch gar nicht wissen! Deine verdammten Annahmen, auf irgendwelchen Mist, geht mir schon ziemlich lange auf den Piss! Und warum schleppst du eigentlich diese zwei Affen mit dir mit? Hast du dich alleine nicht hier her getraut oder was? Gib es doch einfach zu! Sabritt macht dir angst, grosse Angst! Du bist dir wohl nicht gewohnt mal die Maus zu sein und nicht die Katze, und nun willst du die Katze los werden!" "Natürlich will ich die Katze los werden du pisser! Sie tötet Menschen falls dir das noch nicht entgangen ist!" "Das wird seine Gründe haben, da bin ich mir sicher! Hör mal auf immer zuerst zu handeln und erst dann deine Hirnzellen zu verwenden, falls du da überhaupt noch welche hast! Haut ab! Alle drei! Oder ich vergesse mich!" Chris und seine Lackaffen fangen an, laut zu lachen. Meine Wut steigt und unbewusst balle ich meine Fäuste. Das gesamte Adrenalin fliesst in sie hinein, und bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, ist es bereits passiert... Ich mach einen schnellen Sprung nach vorne und ramme ihm meine Fasut geradewegs ins Gesicht. Fast sofort geht er auch zu boden. Blut strömt aus seiner Nase. Er kniet am Boden und jammert irgendwas kaum verständliches. Die beiden Anderen blicken mich verblüfft an. Dann blicken sie zu Chris runter.. wieder zu mir. Nun ballen die Beiden auch ihre Fäuste und machen einen Schritt auf mich zu. Ich bin zu allem bereit und ich werde auch alles akzeptieren was auf mich zu kommen wird. Plötzlich vernehme ich ein sanftes aber schnelles Atmen hinter mir. Die Beiden richten ihren Blick auf etwas hinter mir. Ihre Entschlossenheit, mir sämtliche Knochen im Körper brechen zu wollen, entschwindet fast augenblicklich. Angst steht ihnen nun ins Gesicht geschrieben. Ein tiefes Knurren ist hinter mir zu vernehmen und beide Jungs stolpern rückwärts und machen sich aus dem Staub. Nur Chris sitzt noch jammernd und heulend vor mir auf den Knien. Er scheint das alles wohl gerade nicht mitbekommen zu haben.. Ich muss mich nicht umdrehen um zu wissen, wer da hinter mir steht. Ein riesen Stein fällt mir vom Herzen und meine Augen füllen sich mit Freudentränen...
Sabritt...