Der Kampf (5.2)


"Ich hatte dich doch gewarnt! Oder etwa nicht?" "Chris! Lass sie in Ruhe! Sie hat dir nichts getan!" "Halte du dich da raus, du Held! Lass mich das Versäumte nun nachholen!" Ich kann nicht anderst und stelle mich vor Sabritt und breite dabei meine Arme vor ihr aus. "Nur über meine Leiche!", brülle ich Chris entgegen. Mein Herz schlägt wie wild als Chris mich anfunkelt und schreit: "Dann soll es so sein!" Er stürmt nach vorn, fest entschlossen mich aus dem Weg zu räumen. Gerade als ich nach seinem Arm greifen will, höre ich von Sabritt ein lautes Knurren. Sie packt mich an den Schultern und katapultiert mich zur Seite. Schnell verliere ich das Gleichgewicht und stürze zu boden. Chris holt aus und trifft Sabritt mit voller Wucht an der Schulter. Lächelt sie etwa?! Ein kleines Blitzen in ihren Auge sehe ich, bevor sie vornüber auf alle Viere fällt. Ihr Atem geht schnell und schwer. Ich springe auf, "Neiiin! Was hast du nur getan Chris!", eile zu Sabritt und zieh ihr mit einem kräftigen Ruck das Jagdmesser aus der Schulter. "Danke.. Kevin.. Aber, es ist.. besser so.. endlich.. danke.. Chris.." Hat sie sich gerade bei Chris bedankt? Meine Gedanken spielen verrückt und die Wut welche mir das Blut in den Adern kochen lässt, sammelt sich in meinem Herzen an. Ich lasse das Jagdmesser fallen, stürze nach vorne und lass meine Faust in das Gesicht von Chris krachen. Jauchzend geht dieser sofort zu boden. "Du verdammtes Arschloch! Wie kannst du es nur wagen, hier aufzutauchen und einfach auf sie los zu gehen?! Niemand gibt dir das Recht zu entscheiden, ob sie es verdient hat zu sterben!" Chris kniet auf dem Boden und hält seine Nase fest. Zwischen seinen Fingen tröpfelt etwas Blut hervor. Der Schlag hat gesessen. Die Wut kocht immernoch in mir. "Sie war ein Monster!", brüllt mich Chris an. "Und Monster gehören nicht auf diese Welt! Sie gehören getötet, bevor sie selber töten!" "Du bist ein totaler Vollidiot! Sie hat doch gar niemanden getötet, ausser ein paar Ratten um zu überleben!" "Was weisst du schon? Sie hatte schon ein paar Menschen auf dem Gewissen!" Weint er etwa? Weint er wegen den Schmerzen von seiner Nase, oder etwa...? "Chris? Kanntest du Sabritt schon vorher..?" "Jah! Verdammt nochmal, JA!" "Woher? Rede!" Ich bück mich kurz und hebe das Jagdmesser auf, um bedrohlicher auf ihn zu wirken. "Ich bin ein Waisenkind, okay? Sabritt hat vor vielen Jahren meine gesamte Familie abgeschlachtet!" "Woher weisst du dass es Sabritt war?" "Wie viele Werwölfe kennst du denn?" "Bis vor ein paar Stunden, wusste ich nicht einmal, dass sie existieren, und ich gehe jede Wette ein, du warst dir dessen auch nicht ganz sicher!" "Ja richtig! Ich habe mir all die Jahre eingeredet, dass es ein Wolf war! Aber als wir Sabritt gefunden haben, wurde es mir klar.. Und ich konnte mich nun endlich rächen.." "Los! Hau ab! Bevor ich dieses Jagdmesser auch noch gebrauche! Du wusstest nicht mit Sicherheit ob es Sabritt war, und trotzdem warst du zu dieser kaltblütigen Tat fähig! Verschwinde, bevor ich deine Tat dir gegenüber wiederhole!" Meine Wut lässt noch immer nicht nach. Wenn ich das Geschehene vor meinem innere Auge abspiele, werde ich nur immer noch wütender. Meine Augen funkeln vor Zorn und ich beisse mir verzweifelt auf die Zähne, um meine Drohnung nicht wirklich wahr machen zu müssen. Chris blickt mich genervt an. Irgendwas möchte er wohl gerne sagen, jedoch entscheidet er sich anderst, schluckt die Worte runter, dreht sich um, und geht davon. Als er nicht mehr in Sicht ist, lass ich das Messer fallen. Mein Blick wandert auf den Boden und meine Augen werden feucht. Wieso musste er das tun? Wieso konnte er nicht zuerst mit ihr reden? Warum laufen nur so viele Arschlöcher durch die Gegend? Langsam drehe ich mich um und mein Blick wandert über Sabritt. Das Fell noch immer völlig zerzaust. Das frische Blut funkelt in der Sonne und fliesst unbeirrt weiter aus der Wunde. Sie wirkt so friedlich. Als würde sie ein Nickerchen machen... Ob ich sie bis zu mir nach Hause bekomme, ohne dass mich jemand sieht? Ach.. scheiss drauf.. Ich hebe sie hoch und mach mich auf den Weg nach Hause. Durch den Wald und über den Friedhof bin ich schnell, doch wiegt Sabritt mehr, als sie den Anschein macht. Das Blut tropft über den Boden und hinterlässt eine Blutspur. Verdammt.. Ich lege sie ab, zieh meine Jacke aus und binde die Ärmel davon um ihre Schulter. Das sollte vorerst halten und keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Kaum verlasse ich den Friedhof, läuft eine Passantin an mir vorbei und sieht mich stirnrunzelnd an. "Was genau trägst du denn da? Deinen Hund?", fragt sie mich verblüfft. "Ich.. ähm.. Nein. Das ist ein Theaterrequisit." "Wow, sieht total echt aus. Um was geht es denn in diesem Theater?" "Ähm.. tut mir leid. Aber das Requisit ist schwerer als es aussieht. Ich muss weiter sonst fallen mir noch die Arme ab." "Ach alles klar! Schönen Tag noch." Phu.. das war knapp. Aber eine sehr gute Ausrede für neugierige Nasen. Der Weg bis zu mir gestaltet sich schwieriger als ich am Anfang dachte. Viele sehen mich verwundert an, ich muss immer mal wieder eine kurze Pause einlegen und es sprechen mich mehr an als gedacht. Doch nach grosser Mühe, komme ich endlich an meiner Wohnung an, und zu meinem Glück lebe ich im ersten Stock. Nachdem ich es geschafft habe, die Eingangstür und meine Wohnung aufzusperren, mache ich mich auf den Weg ins Badezimmer. Sanft lege ich sie in die Badewanne. Ich verzieh mich kurz in mein Schlafzimmer und suche in meinem Schrank nach sauberen Klamotten. Die an meinem Leib sind mittlerweile komplett in Blut getränkt. Der primitive Verband half nicht viel, jedoch genug dass es niemand bemerkt hat. Ich gehe zurück ins Badezimmer, löse den Verband von ihrer Wunde und bemerke, dass wenigstens kein frisches Blut mehr hinaus gepumpt wird. Die Wunde ist total verkrustet. Langsam dreh ich das Wasser auf und teste mit meiner Hand, ob es auch wenigstens etwas warm ist. Wenn ich sie schon beerdigen muss, dann bestimmt nicht in diesem Zustand.. Vorsichtig lass ich das Wasser über ihren ganzen Körper fliessen, um das ganze verkrustete Blut zu lösen. Die ganze Prozedur dauert jedoch eine Weile...

Nachdem ich es endlich geschafft habe, Sabritt komplett zu säubern, fliesst endlich wieder klares Wasser aus ihrem Fell. Anfangs war es rot, dann schwarz und gegen Ende wurde es dann klarer. Ich lasse das Wasser ablaufen, schnappe mir ein grosses Badetuch aus dem Schrank und wickel es um ihren Körper. Vorsichtig hebe ich sie aus der Badewanne, als mir etwas auffällt.. Die Wunde war doch blutverkrustet? Jetzt da ich sie gebadet habe, ist die Kruste weg.. Die Wunde jedoch auch. Hat sie sich wieder selbst geheilt? Geht denn sowas wenn man eigentlich tod ist? Ich trage sie ins Schlafzimmer und lege sie auf meinem Bett ab. Ich zieh noch kurz die Bettdecke über ihren Körper und mach mich dann auf den Weg in die Küche. Mein Magen knurrt schon den ganzen Morgen.. Ich werde mal etwas essen und schau dann weiter..