Zerreissprobe (3)


"Chris, warte mal.." Meine Gedanken spielen verrückt. Ich weiss genau, dass das, was ich ihm jetzt sagen möchte, ihm nicht gefallen wird. Doch ich muss es endlich los werden. "Was ist denn?" Er bleibt vor der Hütte stehen, dreht sich um und sieht mich finster an, als ob er bereits wüsste, was ich ihm sagen möchte. "Findest du das richtig was wir da eben getan haben? Ich meine.. Sie hat uns doch eigentlich gar nichts getan." "Erzähl das mal deiner Schulter. Du solltest glaub einen Arzt aufsuchen." "Es tut eigentlich gar nicht mehr weh. Die Schmerzen sind schon längst wieder weg. Da lagen tote Ratten! Und nicht tote Menschen!" "Möchtest du wirklich, dass erst ein Mensch draufgeht, bevor du mir glaubst?!" "Nein natürlich nicht. Aber wir wissen doch rein gar nichts über sie. Sollten wir uns nicht erst einmal anhören, was sie dazu zu sagen hat?" "Wenn sie sprechen könnte, oder etwas zu sagen hätte, glaubst du nicht, dann hätte sie das getan?" "Naja.. Doch eigentlich schon.. Aber.." "Nein nichts aber! Ich will nichts mehr davon hören! Ich gehe jetzt nach hause und schlaf mich aus. Und du solltest das Selbe tun! Ich glaube jah nicht, dass ich deine Wettschulden so einfach vergesse! Die werde ich mir noch bei dir holen!" Und damit dreht er sich um und geht davon. Ich bleibe noch eine Weile stehen und blicke kurz über die Schulter. Langsam bemerke ich, wie total erschöpft ich bin. Ich wende mich von der Hütte ab und mache mich auf den Heimweg..

"Lass mich in Ruhe! Das ist nicht richtig!" Ich bin im Keller, meine Handgelenke und Fussknöchel sind am Tisch angekettet. Ich schrei mir die Kehle wund. Chris ist über mich gebeugt mit einem hässlichen Grinsen im Gesicht. Seine Haut übersät mit Blutsprenkel. Mein Blick wandert kurz zum toten Werwolf in der Ecke. Ihr Körper ist total zerfetzt. Chris hat sie erst befragt, als sie jedoch nichts gesagt hat, hat er sie gequält und misshandelt. Mit einem Messer hat er sie traktiert, ihr tiefe Wunden zugefügt und dann angefangen, ihr das Fell abzuziehen. Er meinte, sie gäbe bestimmt einen tollen Mantel ab. Als ich ihn aufhalten wollte, hat er mich zu boden geworfen und nun auf dem Tisch festgeschnallt. "Na Kev! Fühlst du dich immernoch wie ein Held? Wie gefällt dir das?" Er nimmt das Messer zur Hand und beginnt damit, mir an jedem meiner Finger die Spitzen abzusäbeln. "AHH!! Lass das Chris! Du bist doch wahnsinnig!" Schmerzen durchzucken jede Faser meines Körpers. Ich zieh und rüttle an den Fesseln, doch eigentlich weiss ich ganz genau, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen kann. Hilflos schrei ich zur Decke um meinen Schmerzen Ausdruck zu verleihen. Mich wird niemand finden.. Er hält mir das scharfe Messer vors Gesicht und spricht mit unheimlich ruhiger Stimme: "Du darfst deinem geliebten Werwolf gerne folgen du Arschgesicht!" Mit einer schnellen Handbewegung, schneidet er mir die Kehle durch und das letzte was ich sehe, ist sein bösartiger Blick und sein finsteres Grinsen...

Schweissgebadet schreck ich in meinem Bett hoch. Es war nur ein Traum.. wird mir bewusst. Für mich war es nur ein Traum, doch für dieses Wesen ist dies bestimmt gerade die harte Realität. Ich kann nicht anderst! Ich schwinge meinen Körper aus dem Bett und ziehe mich wieder an. Ich kann mit diesem Gedanken nicht einfach heile Welt spielen! Ich laufe zur Haustüre, hüpf in meine Turnschuhe und mach mich auf den Weg zum Wald. Als ich auf dem Friedhof ankomme, bemerke ich, dass es erst 4 Uhr Morgens ist. Ich eile weiter und erreiche auch bald die Hütte. Die Tür liegt noch immer auf dem verdreckten Boden. Dafür ist nun der Innenraum ausgelüftet und nicht mehr so muffig - ist doch immerhin etwas oder? Alles ist toten still.. Ob sie noch da ist? Vielleicht konnte sie sich befreien und ist abgehauen? Oder Chris kam noch einmal zurück und hat sie getötet? Die Gedanken drehen sich im Kreis und unbewusst steigere ich mein Tempo und eile die Stufen hinab. Etwas verunsichert gehe ich langsam auf den dunklen Raum zu, da bemerke ich etwas.. Wo ist eigentlich mein Handy abgeblieben? Ich suche in meinen Taschen, als es mir dämmert: Sie hat ihm das Handy aus den Händen geschlagen und wir haben es liegen lassen.. Ich blicke in den Raum, langsam gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit und ich erkenne viele Umrisse. Der Tisch, irgendwas liegt darauf - Der Werwolf wie ich vermute. "Hallo..? Bist du noch da?" - Keine Antwort.. Doch ich höre schwere Atemgeräusche. Vielleicht ist sie eingeschlafen? Ich nähere mich vorsichtig dem Tisch. Sie ist es definitiv. Meine Augen haben sich nun so sehr daran gewöhnt, dass ich ihr Fell ausmachen kann. "Ich helfe dir", flüstere ich so leise, dass nicht mal ich es richtig gehört habe. Gibt es hier einen Schlüssel? Ich untersuche den Raum mit gebückter Haltung, um den Boden abzusuchen, doch werde ich nicht fündig. Enttäuscht gehe ich wieder zum Tisch, als ich plötzlich merke, dass ich beim Absuchen des Bodens, gar nicht ausversehen über ihren linken Arm gestolpert bin. Mit grossen und verwunderten Augen betrachte ich ihre Schulter. Der Arm ist wieder dran! Die Angst lähmt meinen Körper, und ich kann sie nur noch anstarren. Als ich jedoch in ihr Gesicht blicke, bemerke ich, dass sie mich mit finsteren Augen anblickt. Vor Schreck stolpere ich rückwärts und fall hin. Sie zerrt und rüttelt an den Ketten, so dass ein lautes Rasseln die Stille zerreisst. "Warte, warte! Ganz ruhig!" Hastig steh ich wieder auf und stelle mich neben sie. "Ich bin zurück gekommen, um dich zu befreien!" Ein leises Knurren geht von ihr aus. "Doch leider weiss ich gerade nicht... wie..." Verzweifelt lasse ich den Blick zu boden sinken. Wie kriege ich sie nur von diesen verdammten Ketten los? Wir haben ihr das angetan.. Ich werde sie nicht sterben lassen! "Hey! Warte mal! Dein linker Arm. Ist der wieder komplett geheilt?" Als ob sie mir die Bestätigung auf die Fragen geben möchte, kratzt sie mit den Krallen von ihrer linken Pfote über den Holztisch. "Sehr gut, ich hätte da eine Idee.. Aber ich glaube das wird für dich nicht ganz angenehm.." Ich schlucke leer, weil mich die Idee selbst ziemlich nervös macht. "Ich pack deinen rechten Arm und versuche so, deine Pfote abzureissen. Das selbe tu ich mit deinen Füssen.. ähm.. Pfoten? Und wenn du frei bist, flicken wir dich wieder zusammen. In Ordnung?" Sie blickt mich an. Ihr finsterer Blick verschwindet, dafür erkenne ich einen Funken von Angst und Verzweiflung darin. Sie lässt den Kopf auf die Tischplatte fallen und ein dumpfer Knall ist dadurch zu hören. "Ich nehme das mal als ja." Zögerlich gehe ich um den Tisch herum und greife nach ihrem rechten Unterarm. "Bereit?" Keine Antwort - Natürlich. Ich reisse mich zusammen, um sie auseinander reissen zu können - Was für eine Ironie. Ich atme tief ein und ziehe mit aller Kraft an ihrem Arm. Ihr lautes Jaulen erfüllt den gesamten Raum. Mit dem verheilten Arm, bohrt sie ihre Krallen in meine Schulter. Ich beisse mir gegen die Schmerzen auf die Zähne und zieh weiter an ihrem Arm. Ein lautes Krachen ist plötzlich zu hören. Waren das ihre Knochen? Oh Gott... Ihr Jaulen wird leiser, dafür höre ich plötzlich ein lautes Knallen. Das selbe Knallen welches wir hörten als... Oh.. verdammt.. Die letzte Sehne reisst und mich haut es somit nach hinten auf den Boden. Ich lasse ihren Arm los um den Sturz zu bremsen, doch leider nützt es nicht wirklich viel. Der Boden ist ziemlich hart, und ich bin mir sicher, dass wenn ich anderst gefallen wäre, ich mir bestimmt irgendwas gebrochen hätte dabei. Langsam rappel ich mich wieder auf. Meine Knochen schmerzen und meine Schulter ebenfalls von ihren Krallen. Ich sehe gerade n och, wie ihre Hand vom Tisch fällt, immerhin ist ihr Arm wieder frei. Ihr Kopf liegt seitlich auf dem Tisch. Ist sie etwa ohnmächtig geworden? Keine Zeit darüber nachzudenken. Ich greife nach ihrem Bein und ziehe daran. Kurze aber leise Jauler sind von ihr zu hören, also ist sie noch wach. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, sind jetzt endlich ihre Gliedmassen alle frei. Sie ist jedoch nicht mehr bei Bewusstsein. Ich kann nur hoffen, dass sie alles gut überstehen wird. Vorsichtig hebe ich sie von dem Tisch hoch und trage sie zur Matratze. Sanft lege ich sie darauf ab. Ich ziehe meine Jacke aus und decke sie damit so gut es geht, etwas zu. Die Hand und Füsse sammle ich ein und lege sie daneben. Ich fühle mich so erschöpft. Das war nicht nur eine grosse, körperliche Anstrengung, sondern auch eine ziemliche Nervensache. Schweiss rinnt mir von der Stirn, als ich mich einfach auf den harten Boden lege und sofort einschlafe..