Die Hütte (1)


Los konzentriere dich.. Nurnoch dieser eine Stoss, und wenn dieser Erfolgreich ist, hast du das Geld in der Tasche.. Mit ruhiger Hand, führe ich den Queue. Der letzte Schuss. Mein Herz klopft im Takt mit der Musik welche aus den Lautsprechern flüstert. Ich höre meinen Herzschlag immer lauter werden. Ich schiesse. Die weisse Kugel prallt mit der Schwarzen zusammen und befördert diese in richtung Loch. Sie knallt gegen die Kante und rollt zurück in meine Richtung. Panik ergreift meinen Verstand, als mir dämmert, welchen Mist ich gerade gebaut habe. "Ha! Dies ist wohl ein weiterer Sieg für den Champ! Los Kleiner, rück die Kohle raus!" Ein grosser Mann kommt in meine Richtung. Seine dunkelbraunen Augen funkeln mich an. Ich kann jedoch nicht ausmachen, ob es an seinem eben gewonnenen Sieg im Billard, oder an seiner Überlegenheit mir gegenüber liegt. Ich bin ja nicht gerade klein, würde ich mal so behaupten. Doch in anbetracht dessen, wer sich da gerade auf mich zubewegt, fühle ich mich ein bisschen wie ein Hobbit. "Ich.. ähm.. es tut mir leid. Aber leider habe ich kein Geld mehr bei mir", antworte ich mit zittriger Stimme. Seine Miene verfinstert sich. Das Funkeln des Triumphs in seinen Augen erlischt. "Was soll das heissen? Los rück es raus, oder es setzt was!" Protzig baut er sich vor mir auf. Oh Gott.. Ich muss hier sofort weg, sonst werde ich wohl diese Nacht nicht überleben. Schiesst es mir durch den Kopf. Hastig packe ich meine Jacke, lass den Queue fallen und stürme aus der Bar. Wie von der Tarantel gestochen, flüchte ich in die Nacht hinaus. Ein Krachen folgt meinem Fluchtversuch. Er verfolgt mich! Panisch renne ich durch die Stadt. Doch die Schritte kleben an mir. "Bleib stehen! Ich erwisch dich doch sowieso! Du kannst mir nicht entkommen!" Zum Glück lebe ich schon eine ganze Weile in dieser Stadt. So schnell ich kann, renne ich die Strasse hinauf, an den Bahngleisen entlang. Das Tor sehe ich schon von weitem. Der Eingang zum Friedhof. Ich passiere ihn und eile über die Ruhestätte. Hier und da erleuchten ein paar Kerzen die Gräber und werfen ein paar unheilvolle Schatten. Und als ob diese düstere Stimmung nicht bereits genug wäre, ertönen die Kirchglocken um pünktlich die Mitternacht einzuläuten. Mein Herz rast, ich bin nämlich nicht gerade der Sportlertyp. Ich halte an dem Gedanken fest, dass niemand aus dieser Stadt den Wald besser kennt als ich. Endlich erreiche ich das andere Ende des Friedhofes und springe über die kleine Mauer, welche nicht höher als einen Meter sein dürfte. Schon fast im Wald werfe ich einen kurzen Blick über meine Schulter. Er klebt immer noch an mir.. Geschickt springe ich über Wurzeln und husche unter den tiefer hängenden Ästen durch. Nach kurzer Zeit erreiche ich auch schon die kleine Hütte welche ich angestrebt habe. Ich kenne sie kaum, da ich die Natur eigentlich bevorzuge, aber sie kommt mir in diesem Augenblick sehr gelegen. Vor der Tür bremse ich ab und falle doch glatt über eine Wurzel welche ich wohl übersehen habe. "Jetzt habe ich dich!" Mit einem Satz bin ich wieder auf den Beinen und ergreife die Türklinke. Bevor ich diese jedoch herunterdrücken kann, springt der Kerl von hinten auf mich drauf. Gemeinsam krachen wir gegen die alte Tür, diese springt sofort aus ihren Angeln und wir stürzten zusammen mit ihr zu boden. Eine grosse Staubwolke wirbelt durch die Luft und verschlechtert uns die Sicht auf den Innenraum. "Gib mir endlich das Geld!", brüllt er mich an. Mein Blick muss der einem Kaninchen gleich kommen, welches ein scharfes Messer vor sich aufblitzen sieht. "Ich habe nichts bei mir! Lass mich los!" Die Angst schnürt mir fast die Kehle zu. Ich spüre seinen festen Griff an meinem Shirt, er hebt mich ein bisschen von dem verdreckten Boden nach oben und zieht den anderen Arm nach hinten, die Faust geballt, bereit zum Zuschlagen.
Grrrr.....
War das.. ein Knurren? "War das.. ein Knurren?" Zögerlich blickt er über die Schultern. Doch hinter ihm steht niemand, auch kein Tier.
Auuuu!
"Hey Kevin! Das ist nicht witzig! Hast du hier irgendwo ein Tonband versteckt oder was? Du willst mich doch wohl verarschen." "Ich habe nichts dergleichen getan!", entflieht es mir. "Was denn? Und das soll ich dir abkaufen? Willst du mir etwa weis machen..", seine Worte ersticken beim plötzlichen erklingen eines weiteren Knurrens.
Grrr.....
"Das hört sich so an.. Als käme es von unten", denke ich etwas lauter als gewollt. Zeitgleich starren wir auf die Holzlatten herunter auf welchen wir sitzen. Seine Hand an meinem Shirt lockert sich endlich etwas. Ich stütze mich mit den Ellenbogen auf dem Boden ab und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Vielleicht ist wirklich irgendwo ein Fernseher oder Radio eingeschalten? Chris scheint den gleichen Gedanken zu verfolgen. Sein Blick schweift ebenfalls durch den dunklen und etwas muffigen Raum.
Grrr....
"Ich glaube das kommt aus dem Raum dort drüben." Chris lässt mein Shirt los und steht langsam auf. Mit dem Blick auf eine Tür an der hinteren Wand gerichtet, geht er zielstrebig auf diese zu. Zögerlich stehe ich ebenfalls auf und folge ihm. Wieso weiss ich nicht. Vielleicht die Neugierde? Oder vielleicht einfach der Kopf, der die Bestätigung braucht, dass irgendwo ein elektronisches Gerät nicht ausgeschalten wurde, welches diese Geräusche von sich gibt. Knarrend öffnet Chris die Tür zum nächsten Raum. Ein Luftzug weht uns einen noch schlimmeren Geruch entgegen. Angewiedert verziehe ich das Gesicht. Nicht, dass es jemand gesehen hätte. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen.. Doch da ist nichts. Ich meine.. wirklich rein gar nichts. Ausser einem ziemlich heruntergekommenen Teppich, der sogar noch die gleiche Farbe trägt wie der alte Fussboden, ist in dem Raum kein einziges Möbelstück zu sehen. Nicht einmal ein Fenster. Moment mal... "Wenn es in diesem Raum kein Fenster gibt, woher kam denn dieser Luftzug gerade, mit diesem üblen Gestank?", stelle ich die Frage mehr zu mir selbst. Chris dreht sich zu mir um und starrt mich an, als hätte er einen Geist gesehen. "Was ist? Hast du einen Geist gesehen Chris?" "Ich mach dich gleich zu einem Geist wenn du nicht die Klappe hälst. Hör mal hin." Nichts ist zu hören. Nicht einmal eine Eule von draussen. Doch dann... Ich höre ein leises Pfeifen. Ein sehr leises Pfeifen. Ein Luftzug! Ich bewege mich langsam in die Richtung und stehe schon bald vor der nächsten Wand. Sanfte Rillen zieren die Wand und aus einer von ihnen, scheint dieser Luftzug zu kommen.
Grrrr...
Es ist nun wirklich deutlicher zu hören. Und es scheint auch von hinter der Wand zu kommen. Plötzlich schiesst mir ein Gedanke durch den Kopf, welchen ich nicht für mich behalten möchte: "Bist du dir sicher, dass wir, das... was auch immer es ist! Sehen und finden wollen?" "Geh halt wenn du die Hosen voll hast. Ich gehe der Sache auf den Grund." Chris steht nun neben mir und sucht die Wand ab. "Hier muss es doch irgendwo eine Türklinke oder ähnliches geben.." Ich scheine nicht der Einzige zu sein, der manchmal etwas lauter denkt als gewollt. Auch wenn ich bis dahin immer Zweifel hatte, dass Chris soetwas wie denken kann. "Ach scheiss drauf!" Bevor ich auch nur einen Laut von mir geben kann, muss ich zu sehen, wie er das Bein anhebt, und mit voller Wucht gegen die Wand donnert. Mit einem lauten Krachen stürzt das Holz nach innen auf und fliegt eine Treppe hinunter. "Ähm.. Darf ich was Fragen?" "Was ist denn verdammt?" "Wenn du.. oder halt wir, finden, was auch immer hier knurrt. Was gedenkst du dann zu tun?" "Hängt davon ab." "Und wo von?" "Wie es auf uns reagiert", und mit diesem Satz kehrt er mir den Rücken zu und steigt die Treppen hinunter. Ich glaube das werde ich noch bereuen, denke ich mir, und folge ihm widerwillig. "Hey! Hast du eine Taschenlampe dabei? Hier sieht man ja fast nichts!" Ich greife in meine Tasche und ziehe mein Handy vor. Ein paar Tasten angewählt und schon habe ich es in eine Taschenlampe verwandelt. "Da, nimm." Ich reiche Chris mein heiss geliebtes Handy, da er immer noch vor mir geht. Er nimmt es dankend entgegen und endlich sehen wir auch, wo wir uns befinden. Vor uns erstreckt sich ein langer Gang, mit vielen verschiedenen Türen. "Na toll. Und woher wissen wir, welche Tür die Richtige ist?" "Wenn du die Klappe hälst.." Gerade als ich etwas erwidern möchte, hören wir es erneut:
Grrrrrrrr...
Es scheint genau von der Türe zu kommen, welche sich am Ende von dem Flur befindet. Gemeinsam gehen wir darauf zu. Nach einer gefühlten Ewigkeit stehen wir davor. Obwohl jede Faser meines Körpers schreit -Lauf weg!-, bleibe ich genau hinter Chris stehen. Geduldig sucht er die Tür ab. Auch hier scheint es keine Klinke zu geben. Ich bemerke etwas auf dem Boden und zupfe am Shirt von Chris. "Was denn?" Wortlos zeige ich mit meinem rechten Zeigefinger auf den Boden direkt vor der Tür. Er dreht mein Handy so, dass der Lichtkegel der Taschenlampe auf die von mir angezeigte Stelle schwenkt. "Sieht aus wie ein Rattenschwanz," kommentiert Chris das Fundstück, welches unter der Türe hervor schaut. "Mal schauen wie der Kanalratte das gefällt", damit hebt Chris den Fuss und tritt auf den Rattenschwanz. Keine Reaktion. Er beugt die Knie und hebt das Ding auf. "Siehst du? Rattenschwanz." Er hält mir den abgetrennten Schwanz vor die Nase und wedelt belustigt damit herum. "Du bist doch krank! Nimm das Ding weg!" Zeitgleich springen wir aus Reflex einen Meter zurück, als plötzlich von der anderen Seite der Tür etwas dagegen knallt. "Was zum... Na? Willst du diese nicht auch einfach eintreten?" "Dabei würde ich mir wohl nur das Bein brechen." "Wie kommst du denn zu dieser seltsamen Schlussfolgerung?" "Egal wer oder was da drin ist. Wenn diese Tür so einfach aufzubrechen wäre wie letzte, meinst du nicht, dass dieses Ding dadrin dies nicht schon längst getan hätte?" Ergibt irgendwie Sinn..
krrrrrrrrr
"Ich glaube es hat uns gehört...." "Ach was.. wie kommst du nur auf diese Idee du Genie!" "Ich glaube das ist unser Stichwort um..."
Krach!
Die Tür fliegt uns entgegen und trifft Chris mit voller Wucht am Kopf. Er stürzt in meine Richtung und hätte mich fast mit zu boden gerissen. Zu meinem Glück bin ich gleich noch zur Seite gesprungen. Die Türe liegt auf Chris, und somit ist auch der Lichtkegel fast entschwunden. Sanft leuchtet er noch darunter hervor.
Grrrrr!
Etwas mit weissen Augen kommt auf mich zu. Es knurrt mich an. Mein Atem fängt an zu stocken, mein Herz rast und ich fühle mich, als würde mir jeden Moment schwarz vor Augen werden. Ist das Fell? Ein Wolf? Ein Hund? Die Tür bewegt sich und fällt zur Seite. "Chris!" Der Lichtkegel kommt zum Vorschein. Ich sehe gerade noch wie sich die Schnauze von diesem Tier von uns wegdreht und es in die Dunkelheit flüchtet. "Was ist das?!", schrei ich hysterisch, "Das ist kein Tier!" "Aua mein Kopf.. Was faselst du denn da?" "Da hat sich gerade etwas in die Dunkelheit verkrochen! Das ist kein Tier! Es hat Fell, aber es ist definitiv zu gross um ein Wolf oder Hund zu sein! Lass uns von hier verschwinden!" "Du hast doch einen Knall. Dabei habe doch ich gerade die Tür gegen den Schädel gedonnert bekommen." Langsam steht Chris auf und hebt mein Handy vom Boden auf. Er leuchtet damit in den Raum vor uns. Der Boden ist voll mit Rattenschwänzen und Blut. In der Mitte des Raumes steht ein alter Holztisch. An jedem der 4 Beinen des Tisches, ist eine Eisenkette mit Halsband angebracht. Langsam taumelt Chris in den Raum hinein. "Komm da raus! Wir müssen hier sofort weg!" Mein Herz rast noch immer und obwohl Chris für mich vieles ist, doch würde ich ihn am Wenigsten als Freund bezeichnen, möchte ich ihn nicht diesem Monster überlassen. Zögerlich folge ich ihm, als vor unseren Füssen plötzlich etwas zu fall kommt. Mit einem lauten Klatsch bleibt es liegen. Chris schwenkt den Lichtkegel auf den Fussboden, und was wir dort zu sehen bekommen, lässt mich kurz würgen. "Ist das..?", mir wird schlecht. "Jap. Scheint eine zerfetzte Ratte zu sein. Und den Maden nach zu urteilen, ist sie nicht erst seit heute tot." Erst jetzt bemerke ich, dass dieser üble Geruch von vorhin, allem Anschein nach, von diesem Raum aus ging. Ich kann nicht anderst.. Mein Magen verkrampft sich und schiebt mein Abendessen nach oben. Ich entleere den gesamten Inhalt auf den Boden. Langsam wird mir das Ganze hier zu viel. Unterdessen sucht Chris bereits wieder den Raum ab mit dem Handy. "HA!", ruft er und lässt den Lichtkegel verweilen. Als mein Blick dem Licht bis zum Ende folgt, trifft mich fast der Schlag. In einer Ecke des Raumes liegt eine total verdreckte Matratze. Darauf sitzt etwas und starrt uns ängstlich an. Die weissen Augen versucht es mit dem Arm abzuschirmen. Ich kann nicht anderst als einfach nur auf dieses Wesen zu starren. Es ist definitiv Weiblich. Dies erkenne ich an dem Körper-, und natürlich was jedem Kerl zuerst auffällt, an ihrem Vorbau. Jedoch.. Der komplette Körper ist mit Fell bedeckt. Ja! Der komplette! Eine Schnauze.. Pfoten.. Krallen.. Menschlicher Körper? "Kneif mich mal.."